Mit Ausbruch des Iran-Krieges erlebt Deutschland eine Energiekrise, die laut Experten sogar die Ölkrise von 1973 in den Schatten stellt und zu einem sprunghaften Anstieg der Öl- und Gaspreise geführt hat. Entsprechend hat das Interesse an erneuerbarer Energie, Elektroautos und Wärmepumpen wieder zugenommen. In der Debatte um hohe Energiepreise und die Kosten der Energiewende in Deutschland wird immer wieder der Eindruck vermittelt, dass Wind- und Solarenergie nicht nur umweltfreundlich, sondern auch die günstigsten Stromquellen seien. Doch eine genauere Analyse zeigt: Die gängigen Messgrößen greifen zu kurz. Werden die langfristigen Systemkosten berücksichtigt, zeigt sich ein anderes Bild. In einer dreiteiligen Artikelserie des Energieökonomen Dr. Lars Schernikau blicken wir genauer auf versteckte Kosten der Energiewende und irreführende Argumentationen.
Gastbeitrag von Dr. Lars Schernikau
Ein wesentliches Argument für eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien sind häufig die sogenannten LCOE (Levelized Cost of Electricity), auf Deutsch Stromgestehungskosten genannt. Diese geben an, was die Produktion einer Kilowattstunde Strom direkt am Kraftwerk kostet. Laut aktuellen Analysen von Bloomberg liegen diese für Wind und Solar regelmäßig deutlich unter denen von Kohle oder Gas. Das leuchtet ein, da Sonne und Wind nicht wie Kohle, Öl oder Gas erst abgebaut, aufbereitet und zum Kraftwerk transportiert werden müssen.
