Gestern Abend hat sie begonnen: die Rekord-WM. Erstmals richten drei Länder das Turnier aus und mit 48 Mannschaften gibt es so viele Teilnehmer wie nie zuvor. Auf dem Platz war beim Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika auch direkt einiges los. Neben zwei Toren (Endstand 2:0 für Mexiko) bekamen die Zuschauer auch drei Platzverweise zu sehen. Anders als die FIFA dürfen KMUs hierzulande jedoch nicht mit Rekordumsätzen durch die Fußball-WM rechnen.
Mit dem Anstoß um 21 Uhr MESZ war das Auftaktspiel für deutsche Gastronomen noch halbwegs planbar. Viele der folgenden Partien beginnen jedoch deutlich später oder mitten in der Nacht. Das kostet Potenzial: Das Institut der deutschen Wirtschaft hat errechnet, dass die WM der Gastronomie rund 67,4 Millionen Euro Mehreinnahmen bringen könnte. Bei europäischen Anstoßzeiten ab 19 Uhr wären es knapp 103 Millionen Euro gewesen. Wer Public Viewing anbietet, trägt zudem Vorlaufkosten. Ein dreimonatiger Sky-Gastropass schlägt mit rund 300 Euro zu Buche. Übertragungen über ARD oder ZDF sind für gewerbliche Vorführungen rechtlich nicht erlaubt, obwohl Gastronomen Rundfunkbeiträge zahlen. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke warnt zusätzlich vor Verdrängungseffekten: Wer Fußball zeigt, verliert möglicherweise fußballuninteressierte Gäste.
Auch die allgemeine Kauflaune trübt die Aussichten. Laut einer YouGov-Umfrage für das Handelsblatt wollen 71 Prozent der Deutschen im WM-Kontext nicht mehr Geld ausgeben. WHU-Professor Sascha Schmidt erwartet eher einen „Stimmungsimpuls als einen echten Wachstumsschub“. Ein Faktor bleibt dabei entscheidend: Je weiter die deutsche Nationalmannschaft kommt, desto stärker steigen Umsätze, Einschaltquoten und Trikotverkäufe.
