Eine Forsa-Umfrage für das Handelsblatt zeigt, dass für 15 Prozent der Mittelständler in Deutschland eine Verlagerung der Produktion in ein anderes Land erwägen, bei größeren Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz sind es sogar 31 Prozent.
Aus der Forsa-Umfrage unter 150 Unternehmen geht auch hervor, dass 21 Prozent der Firmen Produktionskapazitäten in Deutschland abbauen und elf Prozent sogar ganze Produktionsstätten schließen .
Als Hauptgrund für die starken Abwanderungstendenzen nennen befragte Unternehmen einerseits Überkapazitäten im Inland und einen schwierigen Wettbewerb. Vor allem die hohen Produktionskosten in Deutschland sowie die Enttäuschung über bislang ausgebliebene Reformen und zu langsamen Bürokratiebau sorgen demnach dafür, dass der Abwanderungswille zunimmt. Die hohen Kosten nennen insgesamt 83 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Mittelstand als ein großes Problem. Während in der Maschinen- und Anlagenbaubranche nur 49 Prozent der Unternehmen die Kosten als wesentlichen Grund betrachten, drängen in der Automotive-Branche die hohen Kosten 100 Prozent der befragten Unternehmen zu Standortverlagerungen.
Venture-Capital-Investoren wollen ihre Beteiligungen irgendwann mit Gewinn verkaufen. Aber nur für ausgesuchte Unternehmen ist ein IPO sinnvoll. Wann er die richtige Wahl ist, welche Unterschiede es zwischen Börsengängen in den USA, Europa und Deutschland gibt und worauf es bei einem erfolgreichen IPO ankommt, erläutert diesmal Matthias Kromayer von MIG Capital. Er hat bereits fünf Unternehmen an die Börse begleitet und sagt: „In den USA geht es viel mehr um die emotionale Ebene.“
Diesmal sprechen die Hosts Holger Clemens Hinz, Leiter des Kapitalmarktgeschäfts der Quirin Privatbank AG, und Christian Maier von Rödl & Partner mit Matthias Kromayer, Vorstand und Managing Director bei MIG Capital, einer Venture Capital Gesellschaft aus München. Er sagt, die VC-Branche habe sich im Laufe der Jahre segmentiert. „Auf der einen Seite gibt es die Believer, die sagen, wir brauchen mehr IPOs, das ist der Weg, schon aufgrund des Chancen-Risikoprofils. Und es gibt die anderen, die sagen: ‚Vergiss es! Da gibst du dein Unternehmen in die Hölle und kannst nicht mehr mitagieren!‘ Und an beiden ist ein bisschen was dran.“
Viele mittelständische Unternehmen hängen an einzelnen Schlüssellieferanten, zentralen Maschinen oder unverzichtbaren Mitarbeitenden. Fällt eine dieser Stützen weg, gerät der gesamte Betrieb ins Wanken. Laut Risiko-Report Mittelstand 2026 des Deutschen Mittelstands-Bunds sehen sich 54,7 Prozent der Betriebe für den Ausfall ihres Inhabers nicht ausreichend vorbereitet.
Die Risiken entstehen, wenn Unternehmen kaum Ausweichmöglichkeiten haben: Spezialisierte Zulieferer lassen sich oft nicht kurzfristig ersetzen, wichtiges Wissen konzentriert sich auf wenige Beschäftigte und einzelne Kunden können für den Umsatz entscheidend sein. Schon eine Störung kann Produktion und Lieferfähigkeit beeinträchtigen. Einem Handelsblatt-Bericht zufolge beliefert der Berliner Optoelektronik-Spezialist AEMtec mit rund 300 Beschäftigten Kunden aus der Medizin- und Halbleiterindustrie mit ultrakleinen Bauteilen und bezieht Vorprodukte von Zulieferern in Europa, China und Nordamerika. In der Hightech-Branche dauert die Qualifizierung eines einzelnen Lieferanten häufig mehrere Jahre. Fällt dieser aus oder gibt ein Nischengeschäft auf, kann das für den Abnehmer existenzielle Folgen haben. AEMtec-Geschäftsführer Jan Trommershausen begegnet diesem Risiko durch systematisches Lieferantenmonitoring: Der Mittelständler hält laufend Kontakt zu alternativen Anbietern mit vergleichbaren Technologien und kann so im Ernstfall schnell einen Ersatzlieferanten identifizieren und qualifizieren. Für mittelständische Unternehmen kommt es deshalb darauf an, kritische Abhängigkeiten systematisch zu erfassen und ihre möglichen Folgen zu bewerten. Dazu gehört, alternative Lieferanten und Bezugsquellen zu prüfen, Wissen breiter im Unternehmen zu verankern und für zentrale Prozesse Ausweichlösungen zu entwickeln. Nicht jede Abhängigkeit lässt sich vollständig vermeiden. Wer sie jedoch früh erkennt und gezielt begrenzt, kann im Krisenfall schneller reagieren und die eigene Handlungsfähigkeit sichern.
Impact Investing verbindet finanzielle Rendite mit dem Ziel, messbare soziale oder ökologische Veränderungen zu bewirken. Für mittelständische Unternehmen wird der Ansatz auch deshalb relevanter, weil Banken bei künftigen Kreditvergaben zunehmend konkrete Transitionspläne und Nachhaltigkeitskennzahlen berücksichtigen dürften.
Im Unterschied zu Anlagestrategien, die vor allem bestimmte Branchen ausschließen, zielt Impact Investing darauf, mit dem eingesetzten Kapital konkrete Veränderungen zu bewirken. Beispiele sind Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, Mikrokredite oder junge Sozialunternehmen. Unternehmerinnen und Unternehmer können damit zudem Teile ihres Vermögens breiter streuen und unabhängiger von traditionellen Kapitalmärkten sowie der Entwicklung des eigenen Unternehmens anlegen. Zwei Drittel der vom Bundesverband Impact Investing befragten Marktakteure wollen die dafür vorgesehenen Mittel in den kommenden fünf Jahren ausweiten. Mehr als 70 Prozent der Investoren erwarten eine risikoadjustierte Marktrendite oder eine überdurchschnittliche Performance. Die erfassten Impact-Assets in Deutschland summieren sich bislang auf rund 12,5 Milliarden Euro und entsprechen 0,85 Prozent der berichteten Vermögenswerte.
Für KMU ist besonders relevant, dass Banken Klima-, Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsrisiken erfassen und regulatorischen Druck an Unternehmenskunden weitergeben. Bei künftigen Kreditvergaben müssten Unternehmen daher konkrete Transitionspläne vorlegen. Wie das Handelsblatt berichtet, könnten ESG- und Impact-Kennzahlen dadurch langfristig bei Unternehmensbewertungen und Kreditentscheidungen an Bedeutung gewinnen. Zugleich bleibt die Wirkungsmessung eine Herausforderung. Fonds verwenden oft unterschiedliche Ziele und Kennzahlen, die sich nur eingeschränkt vergleichen lassen.
Vom 28. bis 30. September 2026 verwandelte sich München wieder in die Startup-Hauptstadt Europas. Die Bits&Pretzels brachte Gründerinnen, Investoren und Konzernvertreter zusammen, dazu Comedy-Legende Trevor Noah und Topspeaker aus dem Silicon Valley. Ein persönlicher Rückblick auf drei intensive Messetage.
Wer die Bits&Pretzels zum ersten Mal besucht, unterschätzt leicht, wie sehr sich die drei Tage voneinander unterscheiden. Tag eins und zwei sind geprägt von Keynotes, Panels und dichtem Networking zwischen den Ständen im Congresscenter der Münchener Messe. Der Input aus Vorträgen, Panel-Diskussionen und interessanten Begegnungen und Einzelgesprächen ist enorm – und hochkarätig. Der dritte Tag hebt sich davon ab: An den sogenannten Tables sitzen Gründerinnen und Investoren in kleiner Runde zusammen, fernab der großen Bühne. Genau dieser Tag gilt vielen erfahrenen Besuchern als der wertvollste, auch weil er traditionell auf der Wiesn im Schottenhamel-Festzelt ausklingt. Wer es mit zum Oktoberfest schafft, tauscht das Konferenz-Badge gegen die Lederhose, ganz im Sinne des Mottos „Tracht trifft Tech“.
Patente, geografische Angaben und Markenschutz können mittelständischen Unternehmen den Zugang zu internationalen Märkten erheblich erleichtern. Das hat eine aktuelle Sitzung der Welthandelsorganisation der Vereinten Nationen am 2. Oktober 2026 unterstrichen.
Geistiges Eigentum gilt vielen kleineren Betrieben als abstrakte Rechtsmaterie. Dabei kann der gezielte Einsatz von Schutzrechten handfeste wirtschaftliche Vorteile bringen: Wer seine Technologie, seine Marke oder regionale Produktbesonderheiten schützt, erhöht seine Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren und Geschäftspartnern im Ausland spürbar. Das Beispiel der kolumbianischen Gründerin Isabel Pulido zeigt das konkret: Der Patentschutz ihrer passiven Kühltechnologie war nach eigenen Angaben entscheidend, um Kapital einzuwerben und das Unternehmen Nanofreeze international zu skalieren. Die Weltorganisation für geistiges Eigentum stellte zudem ihr Global Entrepreneurship Empowerment Programme vor, das unternehmerische Initiativen gezielt fördert. Ergänzend wurde die dritte Phase des Programms MIM präsentiert, das bis 2031 rund 35.000 Betriebe unterstützen und Exporte in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar anstoßen soll. Parallel warnte die Welthandelskonferenz der UN vor geopolitischen Risiken für Lieferketten, etwa durch mögliche Störungen in der Straße von Hormus. Für den Mittelstand ergibt sich daraus ein klares Bild: Schutzrechte für geistiges Eigentum sind kein bürokratischer Mehraufwand, sondern ein strategisches Werkzeug, das Marktzugang, Investitionsfähigkeit und Wettbewerbsposition im Auslandsgeschäft stärkt.
