Mittelständische Unternehmen können Kapital künftig auch über digitale Wertpapiere auf der Blockchain einsammeln, eine Alternative zum klassischen Bankkredit, der durch steigende Zinsen und strengere Vergaberegeln zunehmend schwerer zugänglich wird.
Kredite an Mittelständler werden teurer, die Anforderungen an Sicherheiten steigen und bis zur Auszahlung vergehen oft mehrere Monate. Als Alternative rücken tokenisierte Emissionen in den Fokus: Genussrechte oder Schuldverschreibungen können als sogenannte Security Token auf einer Blockchain begeben werden. Dabei handelt es sich um digitale Wertpapiere, die über eine Blockchain ausgegeben werden. Der Prozess läuft über Smart Contracts ab, ist vollständig digital und kommt ohne Zentralverwahrer oder Depotbanken aus. Die Stückelung in kleinere Einheiten senkt die Eintrittsschwelle für Investoren. Besonders attraktiv für regional verwurzelte Unternehmen: Kunden, Mitarbeitende oder lokale Unternehmer lassen sich über digitale Zeichnungsplattformen direkt als Kapitalgeber einbinden. Der regulatorische Rahmen ist vorhanden: Emissionen bis zwölf Millionen Euro sind in der EU künftig ohne aufwendigen Wertpapierprospekt möglich. Für Unternehmen mit bis zu 499 Beschäftigten gilt bei Volumina bis 50 Millionen Euro ein vereinfachtes Verfahren. Nach Einschätzung der Kanzlei Osborne Clarke prüfen Mittelständler diese Instrumente zunehmend ernsthaft als Ergänzung zur Bankfinanzierung.
