Das neue Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien soll nicht nur Handelshemmnisse abbauen, sondern auch neue Impulse für den deutschen Arbeitsmarkt setzen. Angesichts geopolitischer Spannungen auf globaler Ebene wollen beide Seiten ihre wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen. Für deutsche Mittelständler könnte insbesondere der Zugang zu indischen Fachkräften an Bedeutung gewinnen.
Jährlich drängen rund zwölf Millionen junge Menschen auf den indischen Arbeitsmarkt – deutlich mehr, als das Land selbst aufnehmen kann. Wenn nur ein kleiner Teil von ihnen im Ausland Perspektiven sucht, könnte dies laut Experten helfen, den Fachkräftemangel in Deutschland zu lindern. Deutschland gilt für viele junge Inderinnen und Inder als attraktiver Standort: mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis an Hochschulen, mehr englischsprachigen Studiengängen, bestehenden Communitys in Metropolen wie Berlin und München sowie vergleichsweise stabilen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Hinzu kommt ein reformiertes Einwanderungsrecht. Auch am Arbeitsmarkt schneiden indische Beschäftigte gut ab: Ihr Medianlohn lag Ende 2024 über dem deutscher Vollzeitbeschäftigter.
Damit Integration gelingt, sehen Fachleute jedoch klare Aufgaben auf Seiten der Unternehmen. Entscheidend sei, zunächst mit Berufsgruppen zu starten, bei denen schnelle Erfolge wahrscheinlich sind und neue Mitarbeiter besonders im ersten Jahr eng zu begleiten. Eine zentrale Rolle spielt zudem die Sprache. Gute Deutschkenntnisse gelten gerade im industriellen Mittelstand als unverzichtbar. Empfohlen wird, konkrete Sprachziele vertraglich festzuhalten und mit Entwicklungsschritten zu verknüpfen. Deutschland könne darüber hinaus mit mehr Transparenz über Karriere- und Gehaltsentwicklungen zusätzlich an Attraktivität gewinnen, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Einschätzungen aus Wissenschaft und Beratung berichtet.
