Wann wird eine Übernahme ernst? Wie unterscheidet sich ein Public Takeover von einem Private Deal und welche Fehler begeht der typische potenzielle Käufer, wenn er auf einen deutschen börsennotierten Mittelständler trifft? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der fünften Folge des Podcasts „Kapitalmarkt Logbuch”.
Darin sprechen die Hosts Holger Clemens Hinz, Leiter des Kapitalmarktgeschäfts der Quirin Privatbank AG, und Tobias Reiter, Rechtsanwalt und Partner bei Rödl & Partner, mit Uwe Bögershausen. Der erfahrene CFO hat drei Börsengänge im Prime Standard begleitet – bei Aleo Solar, Derby Cycle und SLM Solutions – und dabei auch drei öffentliche Übernahmeprozesse hautnah erlebt.
Mit diesem Erfahrungsschatz aus der Praxis erklärt Bögershausen, ab welchem Moment eine Übernahme wirklich beginnt: nicht bei Gerüchten oder ersten Investorengesprächen, sondern erst dann, wenn eine Verschwiegenheitserklärung (Non-Disclosure Agreement) geschlossen wird. „Ab da wird es eigentlich ernst, denn dann ist es ein ernsthafter Prozess”, sagt er im Podcast.
Ein zentrales Thema der Folge ist die Unterschätzung des deutschen Regulierungsrahmens. Im Gegensatz zu angelsächsischen Märkten, in denen Management-Entscheidungen primär am Aktionärsinteresse gemessen werden, gilt in Deutschland ein weiter gefasster Stakeholder-Ansatz: Der Vorstand muss die Interessen der Gesellschaft insgesamt berücksichtigen. Diesen Unterschied unterschätzen internationale Bieter häufig – mit Folgen für die Prozesskommunikation, die Mindestannahmequoten und die Bewertung der Fairness Opinion, einer gutachterlichen Stellungsnahme zur Übernahme. Letztere ist laut Bögershausen kein bürokratisches Formaldokument, sondern ein substanzieller Sparringspartner, der hilft, die eigene Position gegenüber Aktionären, Wirtschaftsprüfern und Rechtsberatern fundiert zu untermauern.
Weitere Themen im Podcast „Kapitalmarkt Logbuch“
Im Gespräch erklärt Bögershausen außerdem, welche drei Fragen er einem potenziellen Käufer sofort stellen würde, wenn dieser ein börsennotiertes Unternehmen prüft. Darunter: Kennt das Team die Regulatorik einer öffentlichen Übernahme in Deutschland wirklich? Weiß es mit aktivistischen Investoren umzugehen, die Mindestannahmequoten gezielt nutzen? Und welche industrielle Logik steckt hinter der Transaktion?
Darüber hinaus diskutiert die Runde, wie CFOs Insiderlisten und Kommunikationspläne rechtssicher handhaben, warum das Neutralitätsgebot auch bei sogenannten feindlichen Übernahmen das oberste Prinzip bleibt und warum die aktuell attraktiven Bewertungen vieler deutscher Technologieunternehmen das Thema Public Takeover in den kommenden Jahren wieder stärker in den Vordergrund rücken dürften.
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Die Hosts des Podcast „Kapitalmarkt Logbuch“ Folge 5
Holger Clemenz Hinz, Leiter Kapitalmarktgeschäft Quirin Privatbank AG
Tobias Reiter, Rechtsanwalt und Partner bei Rödl, Leiter des Bereichs Aktien- und Kapitalmarktrecht
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