Stellenabbau
KMUs blicken mit Sorge auf ihre internationale Position. Viele befürchten, dass ihre globale Stärke in den kommenden Jahren nachlässt. Ausschlaggebend dafür sind sowohl die anhaltend schwache Konjunktur, Handelsrisiken und hohe Kosten als auch der technologische Aufholprozess asiatischer Wettbewerber, die in Schlüsselbereichen wie Batterietechnologie oder Chemie inzwischen auf Augenhöhe agieren.
Gleichzeitig reagieren viele Unternehmen mit einer klaren strategischen Verschiebung: Investitionen und Personalaufbau finden zunehmend im Ausland statt – insbesondere in Asien und Nordamerika. Der Anteil der Investitionen, die in Deutschland verbleiben, soll bis 2030 deutlich sinken, während sogar jeder zweite Mittelständler hierzulande mit Stellenabbau rechnet. Sichtbar wird das auch in konkreten Fällen: Unternehmen wie Wilo oder EBM-Papst verstärken Forschung und Produktion im Ausland, während Firmen wie Vorwerk am deutschen Stammsitz Personal reduzieren.
Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen: Fachkräftemangel, interne Transformationshemmnisse und Effizienzgewinne durch neue Technologien. Viele Unternehmen gestehen sich zu langsame Entscheidungen und Innovationsprozesse ein; externe Investoren übernehmen zunehmend die Rolle der Modernisierungstreiber.
Die Einschätzungen basieren auf einer aktuellen Befragung mittelständischer Unternehmen durch die Beratungsgesellschaft Horváth sowie weiteren Branchenbeobachtungen, über die das Handelsblatt berichtet. Sie zeichnen ein deutliches Bild: Der globale Wettbewerb verschärft sich und der Mittelstand steht vor tiefgreifenden Veränderungsprozessen.
Rund 23 Prozent der deutschen Familienunternehmen planen laut einer aktuellen Umfrage der Verbände „Die Familienunternehmer“ und „Die Jungen Unternehmer“ im laufenden Quartal den Abbau von Arbeitsplätzen. Im vierten Quartal 2024 waren es noch 19 Prozent.
Damit trifft der anhaltende wirtschaftliche Abschwung nun auch jene Betriebe, die bislang als besonders widerstandsfähig galten. Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann warnte, dass die Wirtschaftskrise und die strukturellen Schwächen des Landes die Fundamente vieler Familienunternehmen zunehmend gefährden. Zwar wollen 61 Prozent der befragten Unternehmen ihre Mitarbeiterzahl bis Jahresende konstant halten, doch die Zahl derer, die Stellen streichen müssen, steigt. Als Hauptgründe nennen die Unternehmer hohe Abgaben, wachsende Bürokratie und eine schwache Investitionsbereitschaft. Nur noch jeder fünfte Betrieb plant laut Umfrage, im kommenden Quartal zu investieren, während 46 Prozent gar keine neuen Projekte angehen wollen. Das Bundeskabinett will am Mittwoch Maßnahmen zum Bürokratieabbau beschließen – ein Schritt, den viele Familienunternehmer als überfällig ansehen.
