Home KMU-NewsMittelständler verschenken Liquidität durch gebundenes Kapital

Mittelständler verschenken Liquidität durch gebundenes Kapital

von Lieselotte Hasselhoff

In den Vorräten und offenen Rechnungen vieler mittelständischer Unternehmen schlummern erhebliche Liquiditätsreserven. Wer Lagerbestände und Forderungsmanagement konsequent optimiert, kann seinen Finanzierungsbedarf spürbar senken und sich unabhängiger von Kreditgebern aufstellen.

Für den Mittelstand insgesamt bleibt das Potenzial jedoch weitgehend ungehoben. Nach einer im Juli 2026 veröffentlichten Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade dauerte es 2025 im weltweiten Durchschnitt mehr als 67 Tage, bis eingesetztes Kapital aus dem laufenden Betrieb zurückfloss. Vor der Pandemie lag dieser Zeitraum noch rund vier Tage kürzer. Hintergrund ist, dass viele Unternehmen Bestände aufgebaut und Zahlungsziele ausgeweitet haben, ohne diese Stellschrauben anschließend wieder konsequent zurückzudrehen. Dass dies gelingen kann, zeigt unter anderem der IT-Dienstleister Bechtle: Das Neckarsulmer Unternehmen halbierte sein Working Capital zwischen 2022 und Ende 2025 von knapp 977 Millionen Euro auf rund 500 Millionen Euro, indem es Forderungsmanagement, Lagerhaltung und Lieferantenzahlungen konsequent neu ausrichtete. Die Entwicklung zeigt, dass Lager- und Forderungsmanagement für KMU längst nicht mehr nur eine operative Frage ist, sondern zu einem zentralen Hebel der Unternehmensfinanzierung geworden ist. Besonders für Betriebe mit begrenztem Zugang zu Fremdkapital kann optimiertes Working Capital einen entscheidenden Unterschied machen.

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