Unternehmen
Viele mittelständische Unternehmen hängen an einzelnen Schlüssellieferanten, zentralen Maschinen oder unverzichtbaren Mitarbeitenden. Fällt eine dieser Stützen weg, gerät der gesamte Betrieb ins Wanken. Laut Risiko-Report Mittelstand 2026 des Deutschen Mittelstands-Bunds sehen sich 54,7 Prozent der Betriebe für den Ausfall ihres Inhabers nicht ausreichend vorbereitet.
Die Risiken entstehen, wenn Unternehmen kaum Ausweichmöglichkeiten haben: Spezialisierte Zulieferer lassen sich oft nicht kurzfristig ersetzen, wichtiges Wissen konzentriert sich auf wenige Beschäftigte und einzelne Kunden können für den Umsatz entscheidend sein. Schon eine Störung kann Produktion und Lieferfähigkeit beeinträchtigen. Einem Handelsblatt-Bericht zufolge beliefert der Berliner Optoelektronik-Spezialist AEMtec mit rund 300 Beschäftigten Kunden aus der Medizin- und Halbleiterindustrie mit ultrakleinen Bauteilen und bezieht Vorprodukte von Zulieferern in Europa, China und Nordamerika. In der Hightech-Branche dauert die Qualifizierung eines einzelnen Lieferanten häufig mehrere Jahre. Fällt dieser aus oder gibt ein Nischengeschäft auf, kann das für den Abnehmer existenzielle Folgen haben. AEMtec-Geschäftsführer Jan Trommershausen begegnet diesem Risiko durch systematisches Lieferantenmonitoring: Der Mittelständler hält laufend Kontakt zu alternativen Anbietern mit vergleichbaren Technologien und kann so im Ernstfall schnell einen Ersatzlieferanten identifizieren und qualifizieren. Für mittelständische Unternehmen kommt es deshalb darauf an, kritische Abhängigkeiten systematisch zu erfassen und ihre möglichen Folgen zu bewerten. Dazu gehört, alternative Lieferanten und Bezugsquellen zu prüfen, Wissen breiter im Unternehmen zu verankern und für zentrale Prozesse Ausweichlösungen zu entwickeln. Nicht jede Abhängigkeit lässt sich vollständig vermeiden. Wer sie jedoch früh erkennt und gezielt begrenzt, kann im Krisenfall schneller reagieren und die eigene Handlungsfähigkeit sichern.
Impact Investing verbindet finanzielle Rendite mit dem Ziel, messbare soziale oder ökologische Veränderungen zu bewirken. Für mittelständische Unternehmen wird der Ansatz auch deshalb relevanter, weil Banken bei künftigen Kreditvergaben zunehmend konkrete Transitionspläne und Nachhaltigkeitskennzahlen berücksichtigen dürften.
Im Unterschied zu Anlagestrategien, die vor allem bestimmte Branchen ausschließen, zielt Impact Investing darauf, mit dem eingesetzten Kapital konkrete Veränderungen zu bewirken. Beispiele sind Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, Mikrokredite oder junge Sozialunternehmen. Unternehmerinnen und Unternehmer können damit zudem Teile ihres Vermögens breiter streuen und unabhängiger von traditionellen Kapitalmärkten sowie der Entwicklung des eigenen Unternehmens anlegen. Zwei Drittel der vom Bundesverband Impact Investing befragten Marktakteure wollen die dafür vorgesehenen Mittel in den kommenden fünf Jahren ausweiten. Mehr als 70 Prozent der Investoren erwarten eine risikoadjustierte Marktrendite oder eine überdurchschnittliche Performance. Die erfassten Impact-Assets in Deutschland summieren sich bislang auf rund 12,5 Milliarden Euro und entsprechen 0,85 Prozent der berichteten Vermögenswerte.
Für KMU ist besonders relevant, dass Banken Klima-, Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsrisiken erfassen und regulatorischen Druck an Unternehmenskunden weitergeben. Bei künftigen Kreditvergaben müssten Unternehmen daher konkrete Transitionspläne vorlegen. Wie das Handelsblatt berichtet, könnten ESG- und Impact-Kennzahlen dadurch langfristig bei Unternehmensbewertungen und Kreditentscheidungen an Bedeutung gewinnen. Zugleich bleibt die Wirkungsmessung eine Herausforderung. Fonds verwenden oft unterschiedliche Ziele und Kennzahlen, die sich nur eingeschränkt vergleichen lassen.
Patente, geografische Angaben und Markenschutz können mittelständischen Unternehmen den Zugang zu internationalen Märkten erheblich erleichtern. Das hat eine aktuelle Sitzung der Welthandelsorganisation der Vereinten Nationen am 2. Oktober 2026 unterstrichen.
Geistiges Eigentum gilt vielen kleineren Betrieben als abstrakte Rechtsmaterie. Dabei kann der gezielte Einsatz von Schutzrechten handfeste wirtschaftliche Vorteile bringen: Wer seine Technologie, seine Marke oder regionale Produktbesonderheiten schützt, erhöht seine Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren und Geschäftspartnern im Ausland spürbar. Das Beispiel der kolumbianischen Gründerin Isabel Pulido zeigt das konkret: Der Patentschutz ihrer passiven Kühltechnologie war nach eigenen Angaben entscheidend, um Kapital einzuwerben und das Unternehmen Nanofreeze international zu skalieren. Die Weltorganisation für geistiges Eigentum stellte zudem ihr Global Entrepreneurship Empowerment Programme vor, das unternehmerische Initiativen gezielt fördert. Ergänzend wurde die dritte Phase des Programms MIM präsentiert, das bis 2031 rund 35.000 Betriebe unterstützen und Exporte in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar anstoßen soll. Parallel warnte die Welthandelskonferenz der UN vor geopolitischen Risiken für Lieferketten, etwa durch mögliche Störungen in der Straße von Hormus. Für den Mittelstand ergibt sich daraus ein klares Bild: Schutzrechte für geistiges Eigentum sind kein bürokratischer Mehraufwand, sondern ein strategisches Werkzeug, das Marktzugang, Investitionsfähigkeit und Wettbewerbsposition im Auslandsgeschäft stärkt.
Mittelständler und KMUs haben laut einer Blitzumfrage der Mittelstandsvereinigung BVMW zunehmend das Vertrauen in die Reformfähigkeit der Bundesregierung verloren.
Vor der Tagung des Koalitionsausschuss am Mittwoch sprechen drei Viertel der Befragten dem Kanzler und seiner Regierung die Fähigkeit ab, die angekündigten Wirtschaftsreformen durchzusetzen. Fast zwei Drittel der Befragten erwarten vielmehr neuen Streit in der Koalition. Nur knapp ein Drittel sieht Chancen auf einen Einigung von Unionsparteien und SPD auf ein gemeinsames Maßnahmenpaket.
BVMW-Bundesgeschäftsführer Christoph Ahlhaus warnte Bundeskanzler Friedrich Merz, die Reformen weiter zu verschleppen. „Wir haben keine Zeit mehr und auch keine Alternativen zu dieser Bundesregierung. Deutschlands Zukunft darf nicht im Koalitionsgezänk verdaddelt werden“, betonte Ahlhaus gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. An der BVMW-Umfrage hatten rund 1000 mittelständische Unternehmen teilgenommen.
Knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen registriert Cybervorfälle mit spürbaren Folgen wie Betriebsunterbrechungen oder Datenabflüssen. Bei 42 Prozent der Betriebe haben relevante Sicherheitsvorfälle gegenüber dem Vorjahr zugenommen.
Befragt wurden 100 IT-Sicherheitsexpert:innen zwischen September und Dezember 2025. 28 Prozent der Teilnehmenden beobachten neuartige Angriffsmuster, 29 Prozent registrieren bekannte Angriffsarten in deutlich höherem Volumen. Gleichzeitig sehen drei Viertel der Befragten eigene Fortschritte im Umgang mit Vorfällen. Als wirksam gelten Schulungen, technische Modernisierung und klar geregelte Zuständigkeiten. Als größte Bedrohung nennen die Befragten weiterhin cyberkriminelle Akteure.
Für mittelständische Unternehmen bedeutet das wachsenden Handlungsdruck. Regulatorische Vorgaben wie NIS2 und das KRITIS-Dachgesetz verlangen Nachweispflichten, Audits und Meldeprozesse. Gerade kleinere Betriebe sind damit personell und finanziell oft überfordert. Fast die Hälfte der Befragten hält die NIS2-Umsetzung im Mittelstand nur mit externer Unterstützung für realisierbar. Entscheidend ist zudem, wie schnell Unternehmen den Ausfall geschäftskritischer Systeme überwinden können, denn Cyberversicherungen ersetzen keine Notfallplanung.
Das zeigt die IT-Sicherheitsumfrage 2026 des eco – Verband der Internetwirtschaft e.V., die passend zum European Cybersecurity Month veröffentlicht wurde. eco-Vorstand Norbert Pohlmann verweist zusätzlich auf staatliche Unterstützung. Unternehmen erwarten demnach vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor allem praxistaugliche Standards und verlässliche Austauschformate statt zusätzlicher Komplexität.
Mittelständische Unternehmen können Kapital künftig auch über digitale Wertpapiere auf der Blockchain einsammeln, eine Alternative zum klassischen Bankkredit, der durch steigende Zinsen und strengere Vergaberegeln zunehmend schwerer zugänglich wird.
Kredite an Mittelständler werden teurer, die Anforderungen an Sicherheiten steigen und bis zur Auszahlung vergehen oft mehrere Monate. Als Alternative rücken tokenisierte Emissionen in den Fokus: Genussrechte oder Schuldverschreibungen können als sogenannte Security Token auf einer Blockchain begeben werden. Dabei handelt es sich um digitale Wertpapiere, die über eine Blockchain ausgegeben werden. Der Prozess läuft über Smart Contracts ab, ist vollständig digital und kommt ohne Zentralverwahrer oder Depotbanken aus. Die Stückelung in kleinere Einheiten senkt die Eintrittsschwelle für Investoren. Besonders attraktiv für regional verwurzelte Unternehmen: Kunden, Mitarbeitende oder lokale Unternehmer lassen sich über digitale Zeichnungsplattformen direkt als Kapitalgeber einbinden. Der regulatorische Rahmen ist vorhanden: Emissionen bis zwölf Millionen Euro sind in der EU künftig ohne aufwendigen Wertpapierprospekt möglich. Für Unternehmen mit bis zu 499 Beschäftigten gilt bei Volumina bis 50 Millionen Euro ein vereinfachtes Verfahren. Nach Einschätzung der Kanzlei Osborne Clarke prüfen Mittelständler diese Instrumente zunehmend ernsthaft als Ergänzung zur Bankfinanzierung.
Maschinen- und Anlagenbau, Technologie sowie Konsum- und Gebrauchsgüter dominieren das diesjährige Ranking der wachstumsstärksten deutschen Mittelständler und spezialisierte Marktführer entkoppeln sich zunehmend vom schwachen Gesamtmarkt.
Die Unternehmensberatung Munich Strategy hat für das Handelsblatt mehr als 8.000 deutsche Unternehmen anhand von Umsatzwachstum und Gewinnmarge für die Jahre 2021 bis 2025 ausgewertet. Unter den Top 200 stammen 63 Unternehmen (32 Prozent) aus dem Maschinen- und Anlagenbau, gefolgt von Technologieunternehmen mit 33 Firmen (17 Prozent) und Konsum- und Gebrauchsgüterherstellern mit 30 Firmen (15 Prozent). Die Bauwirtschaft kommt auf zehn Prozent, Healthcare auf neun Prozent. Platz eins belegt der IT-Dienstleister Init, gefolgt vom Halbleiterhersteller Elmos Semiconductor und dem Gleisbauunternehmen Willke. „Gerade die Stärke der klassischen Industrie fällt in diesem Jahr auf“, kommentiert Munich-Strategy-Geschäftsführer Sebastian Theopold im Handelsblatt. Als Konjunktursignal wertet er dies jedoch nicht: „Die Krise ist nicht am Maschinenbau vorbeigegangen. Wir beobachten eine zunehmende Spreizung.“ Erfolgreiche Unternehmen zeichneten sich durch Spezialisierung in klar definierten Anwendungsfeldern aus und durch konsequente Internationalisierung. Theopold zufolge reicht das klassische Exportmodell nicht mehr aus; gefragt seien lokale Vertriebs-, Service- und Produktionsstrukturen in strategischen Zielmärkten. Für den Mittelstand insgesamt verweist der Befund darauf, dass strukturelle Marktpositionierung kurzfristigen Kostenprogrammen langfristig überlegen ist.
