Die Arbeitskleidung der Mitarbeitenden ist immer auch ein Aushängeschild für Unternehmen, vor allem in direktem Kontakt mit Kunden. Jahrzehntelang gab es deshalb strenge Konventionen in der Bankenbranche, viele Geldhäuser hatten eine eigene Kleiderordnung. Heute spricht man eher vom Dresscode. Und der ist längst nicht mehr so streng. Was sich geändert hat, was heute erlaubt ist.
Wer noch vor einigen Jahren in Frankfurts Bankenviertel um die Mittagszeit Essen ging, erkannte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Finanzbranche zumeist problemlos am Outfit: Die Frauen im klassischen Business-Kostüm mit Rock und Blazer oder Hosenanzug, die Herren in dunklen Anzug mit polierten Lederschuhen und Krawatte. Nicht wenige Banken hatten das genau so in ihrer Kleiderordnung festgelegt. Auch Mitarbeitende von Unternehmensberatungen und Anwaltskanzleien hielten sich an diesen Stil. Der Auftritt beim Kunden sollte Seriosität ausstrahlen, modische Experimente wurden da nicht gern gesehen.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Zwar werden immer noch Anzüge und Kostüme getragen, doch mittlerweile steht nicht mehr Uniformität und Seriosität im Vordergrund, sondern es geht zunehmend mehr um Individualität, Nahbarkeit und Authentizität. Der gesellschaftliche Trend zur Individualisierung und die Digitalisierung haben die Kleiderordnungen der Finanzbranche grundlegend gewandelt.
Dresscode: Wie war es früher?
Wer in der Bankenbranche arbeitete und direkten Kundenkontakt hatte, hatte keine Wahl: Ein Anzug in dunkelblau, anthrazit oder schwarz in Kombination mit einem weißen oder hellblauen Hemd sowie einer passenden, dezenten Krawatte waren für Männer alternativlos. Frauen trugen Kostüme oder Hosenanzüge in dezenten Farben wie grau, braun oder schwarz mit weißer oder unifarbener Bluse, kombiniert mit blickdichten Nylons und geschlossenen Schuhen. Für alle galt: Dezenter Schmuck war erlaubt, massive Siegelringe, Luxusuhren oder Bündel von Armreifen galten hingegen als verpönt. Sichtbare Piercings oder Tattoos waren absolute No-Gos. Wer von diesen Vorgaben abwich, wurde nicht selten zum Vorgesetzten zitiert und konnte sich eine schnelle Karriere erstmal abschminken.
Neue Lockerheit in Sachen Kleidung – mit Grenzen
Ungefähr während der Corona-Pandemie zog deutlich mehr Lockerheit in den Büros ein. Heute ist im Grunde die Stil-Kategorie Business Casual der neue Standard.
Bei Männern ist die Krawatte mittlerweile kein Muss mehr, auch die Hemden dürfen andere Farben haben. Der Anzug wird zwar immer noch gerne gesehen, doch ist auch eine gut geschnittene Chino-Hose in Verbindung mit einem Hemd oder einem hochwertigen Polohemd in vielen Häusern akzeptiert. Selbst eine dunkle, körpernah geschnittene Jeans – dann aber ohne Löcher, Risse oder Auswaschungen – gilt in Kombination mit einem Sakko im Kundenkontakt als angemessen, solange das Gesamterscheinungsbild ordentlich und gepflegt ist. Saubere, schlichte Leder-Sneaker – vorzugsweise in weiß – sind mittlerweile ebenso üblich wie die polierten Lederschuhe in schwarz oder braun.
Auch bei den Frauen geht es flexibler zu. Hier ist die Auswahl deutlich größer geworden. Neben Stoffhosen und Röcken sind auch Etuikleider oder elegante Strickkombinationen erlaubt. Blazer sind zwar weiterhin gern gesehen, aber kein striktes Muss mehr, sofern das Oberteil seriös wirkt. Auch bei den Damen sind Sneaker zur eleganten Stoffhose erlaubt.
Damit ergeben sich beim Dresscode für Frauen und Männer in der Bankbranche viel größere Spielräume als noch vor einigen Jahren. Letzten Endes bleibt das Gesamtbild entscheidend. Ordentlich, sauber und gepflegt bleibt weiterhin das Must have der Businessszene.
Accessoires für mehr Persönlichkeit erlaubt
Dafür dürfen Bankangestellte heute mit Hilfe von Accessoires auf vielfältige Weise ihre Persönlichkeit unterstreichen. Das ist durchaus gewünscht und soll mehr Kundennähe schaffen. Allerdings sollte dies nicht zu offensiv geschehen und zum dezenten Stil der Kolleginnen und Kollegen passen.
Männer können etwa eine hochwertige Uhr oder unaufdringlichen Schmuck tragen. Wer mag, kann auch zum farblich auf Hemd und Sakko abgestimmten Einstecktuch oder zu edlen Manschettenknöpfen greifen. Auch zu den Schuhen passende Gürtel können den eigenen Geschmack betonen. Von auffallenden, knallbunten Krawatten ist jedoch abzusehen – dann den Binder lieber weglassen. Auch für Frauen sind dezenter Schmuck wie Ohrstecker oder feine Ketten angemessen, sogar unauffällige Piercings oder Tattoos sind in der Regel kein Problem mehr. Zudem können sie auch schicke Halstücher verwenden. Bei den Schuhen gilt generell: Hauptsache geschlossen.
Dafür gelten auch bei Frisuren heutzutage größere Freiheiten. Dass die Haare gepflegt sind und regelmäßig geschnitten werden, ist dabei Voraussetzung. Dann aber muss es bei Herren nicht immer der klassische Kurzhaarschnitt mit Seitenscheitel sein. Lange Haare sind ordentlich zum Zopf, Dutt oder Pferdeschwanz gebunden auch kein Problem mehr. Frauen haben hier größere Freiheiten. Zu kompliziert oder wild sollte die Frisur jedoch nicht sein und auch grelle Färbungen wie etwa grün oder pink sind nicht so gern gesehen.
Dresscode: Ein paar Tabus bleiben
Es gibt natürlich noch immer einige No-Gos beim Bekleidungsstil in der Bankenbranche. Generell sollte nicht zu viel Haut gezeigt werden. Tiefe Ausschnitte, durchsichtige Stoffe, zu kurze Socken oder Mini-Röcke bleiben verpönt, Shorts oder Hotpants gelten als Provokation. Röcke oder Kleider sollten mindestens bis eine Handbreit über dem Knie reichen. Hoodies, Band-Shirts, Jogginghosen oder Sportbekleidung mit großen Logos oder Prints bleiben weiterhin der Freizeit vorbehalten. Beim Schuhwerk sind Sandalen, Wanderschuhe, verschmutzte Sneaker oder sogar Flipflops ebenfalls keine gute Idee.
Wer bei der Wahl der Bekleidung unsicher ist, sollte sich im Zweifel zunächst lieber am klassischen Business-Stil orientieren, vor allem bei offiziellen Anlässen und Terminen mit Kunden, Geschäftspartnern oder Vorgesetzten. Im Backoffice kann der Stil dann eher Smart Casual sein. Mit der Zeit kann man dann sein Outfit den Gepflogenheiten im Haus anpassen. Wer zum Beispiel neu in einer Bank anfängt, kann auch Ausbildende oder Kolleg*innen nach dem internen Dresscode oder Styleguide fragen und beobachten, wie die Spielräume von den Mitarbeitern genutzt werden.
Insgesamt ist der Bekleidungsstil heute weniger formal und streng, sondern komfortabler und individueller. Das gilt auch für Bankkunden. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
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