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Die Entwicklung des Public M&A-Marktes im Jahr 2025

von Lieselotte Hasselhoff
Public-M&A, Bankentürme in Frankfurt

Der Markt für öffentliche Übernahmen begann in diesem Jahr ruhig. Bis in den April 2026 hinein war lediglich ein Angebot an die Aktionäre der Klöckner & Co. SE zu verzeichnen. Die bisherige Zurückhaltung am Public M&A-Markt im Jahr 2026 entspricht dem Geschehen, das 2025 zu beobachten war. Großvolumige Deals wie die sich in diesem Jahr anbahnende UniCredit/Commerzbank-Transaktion fanden 2025 nicht statt. Der regelmäßig erscheinende Public-M&A-Report der führenden Wirtschaftskanzlei Noerr beleuchtet diese Entwicklungen.

Gastbeitrag von Dr. Volker Land, Dr. Stephan Schulz und Bastian Stromann, Noerr PartG mbB

Rückläufige Entwicklung des Public-M&A-Marktes im Jahr 2025

Der deutsche Markt für öffentliche Übernahmen und Delistings hat 2025 nach zwei Erholungsjahren deutlich an Dynamik verloren. Die Zahl der nach dem WpÜG von der BaFin gebilligten Angebote sank im Jahr 2025 auf 20 und damit um gut ein Drittel gegenüber dem Vorjahr. Noch deutlicher war der Einbruch beim Marktvolumen: Die Gesamtmarktkapitalisierung der betroffenen Zielgesellschaften (gemessen am jeweiligen Angebotspreis) halbierte sich annähernd im Vergleich zum Vorjahreswert und erreichte den niedrigsten Stand seit 2015. Auch das tatsächliche Angebotsvolumen – also das Angebotsvolumen bezogen auf die noch nicht vom Bieter gehaltenen Aktien – lag deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Anhaltender Delisting-Trend

Strukturell setzte sich zugleich ein längerfristiger Trend fort. Delisting-Transaktionen bleiben ein zentraler Treiber des Public-M&A-Geschehens. 35 Prozent aller Angebote zielten 2025 auf einen Rückzug von der Börse. Dies liegt weiterhin deutlich über dem Niveau vor 2020. Parallel dazu war 2025 ein relativer Anstieg reiner Erwerbsangebote zu beobachten, bei denen es weder um einen Kontrollerwerb noch um ein Delisting geht. Deren Zahl erreichte den höchsten Wert seit 2014.

Large-Cap-Segment als Markttreiber für Public M&A

Segmentseitig dominierte 2025 das Large-Cap-Segment (Marktkapitalisierung von über 1 Mrd. Euro) nach Anzahl der Transaktionen klar den Markt: 40 Prozent aller Angebote entfielen auf Zielgesellschaften mit einer entsprechenden Marktkapitalisierung. Allerdings war die durchschnittliche Marktkapitalisierung dieser Large-Cap-Ziele so niedrig wie seit Beginn der Auswertung (2014) nicht mehr. Sehr große Einzeldeals, wie sie die Vorjahre geprägt hatten, fehlten im Jahr 2025.

Im Mid-Cap-Bereich (Marktkapitalisierung zwischen 100 Mio. und 1 Mrd. Euro) stieg das mittlere Transaktionsvolumen wieder auf ein durchschnittliches Niveau. Das Small-Cap-Segment (Marktkapitalisierung unterhalb von 100 Mio. Euro) normalisierte sich nach einem sehr aktiven Jahr 2024 in der Zahl der Transaktionen, blieb aber volumenmäßig über dem langjährigen Durchschnitt.

Gestiegene Übernahmeprämien

Auffällig ist die Entwicklung bei der Bepreisung: Die durchschnittlichen Prämien auf den kursbezogenen gesetzlichen Mindestpreis zogen 2025 deutlich an. Der marktweite Durchschnitt lag wieder klar über 25 Prozent; mehr als die Hälfte der Angebote sah Prämien von 20 Prozent und mehr vor. Zugleich nahm die Zahl der „Low-Balling Offer“ ohne oder mit minimalem Aufschlag ab. Besonders hohe Prämien waren bei Übernahmeangeboten zu beobachten.

Stellungnahmen der Zielgesellschaften

Zu allen Transaktionen im Jahr 2025 veröffentlichten die Verwaltungen der Zielgesellschaften begründete Stellungnahmen. Die Mehrheit fiel positiv aus, nur eine Stellungnahme war ausdrücklich negativ; eine nennenswerte Minderheit blieb neutral. In der Hälfte der Fälle wurden externe Fairness Opinions eingeholt, insbesondere bei größeren Übernahmeangeboten. Bei kleineren Pflicht-, Erwerbs- und Delisting-Transaktionen wurde aus Kostengründen häufiger darauf verzichtet.

Der detaillierte Public-M&A-Report für das Jahr 2025 ist unter Noerr Public M&A Report abrufbar. Der Noerr Public-M&A-Report erscheint halbjährlich und enthält neben der Marktanalyse Fokusbeiträge zu wichtigen Entwicklungen im Übernahmerecht. Der aktuelle Report beschäftigt sich mit dem am 10. Februar 2026 in Kraft getretenen Standortfördergesetz und einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum übernahmerechtlichen Squeeze-Out.

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Zu den Autoren:

Stephan Schulz, Noerr

© Noerr

Dr. Stephan Schulz ist Partner im Hamburger Büro der Kanzlei Noerr und Mitglied der Praxisgruppen Corporate und Kapitalmarktrecht. Zu den Schwerpunkten seiner Beratungspraxis zählen die Begleitung von Aktienemissionen und öffentlichen Übernahmen. Darüber hinaus berät er fortlaufend börsennotierte Unternehmen, ihre Investoren und Organmitglieder zu Fragen des deutschen und europäischen Aktien- und Kapitalmarktrechts.

 

 

Dr. Volker Land, Noerr

© Noerr

Dr. Volker Land ist Partner für M&A, Corporate, ECM und PE von Noerr. Er berät Investoren, Unternehmen, Banken und Behörden bei öffentlichen und privaten M&A- und Private Equity-Transaktionen sowie im Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Beratung bei grenzüberschreitenden Transaktionen. Seine Branchenexpertise umfasst insbesondere Finanzinstitute, TMT, Energy, Handel & Logistik und Real Estate. 

 

 

© Noerr

Bastian Stromann ist Rechtsanwalt und Senior Associate bei Noerr. Seine Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Corporate, Kapitalmarktrecht und M&A. Nach dem Jura-Studium arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach einem Referendiat am Hanseatischen Oberlandesgericht und der Zulassung als Rechtsanwalt kam er 2023 zu Noerr. 

Über den Kapitalmarktblog:

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