Die Wirtschaft in Deutschland geht in den nächsten Lockdown. Zwar sagt die Bundesregierung weitere finanzielle Hilfen für angeschlagene Unternehmen zu. Doch in der Vergangenheit kam die dringend benötigte Hilfe wegen bürokratischer Hürden bei den Unternehmen oft viel zu spät an. Besserung gibt es jedoch an anderer Stelle: KMU können sich mit Anleihen jetzt einfacher am Kapitalmarkt finanzieren.
Finanzierung
Im vergangenen Jahr wurde mit gerade mal vier Neuemissionen ein Tiefpunkt an der Frankfurter Börse erreicht. Dieses Jahr sollte alles anders werden. Und tatsächlich: Trotz Corona-Pandemie wagen wieder deutlich mehr Unternehmen ein IPO. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend auch im nächsten Jahr fortsetzt.
2019 war einer der Tiefpunkte für Neuemissionen an der Frankfurter Börse: Lediglich vier Unternehmen sind an die Börse gegangen und erzielten dabei einen Gesamterlös von 3,5 Milliarden Euro. Dieses Jahr sollte es endlich wieder aufwärts gehen – doch dann kam Corona. Als IPO-Überflieger wird daher auch das Jahr 2020 nicht in die Geschichte eingehen, dafür steht der Markt derzeit noch zu sehr unter Spannung. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich trotz Krise immer mehr Unternehmen mit einem Initial Public Offering (IPO) auf das Parkett in Frankfurt trauen. Sechs Börsengänge sind in Frankfurt 2020 bisher über die Bühne gegangen. Und: Noch ist das Jahr nicht zu Ende; das eine oder andere Unternehmen könnte also durchaus noch mit einem IPO überraschen.
Mittelständler, die Geld für die Finanzierung ihres Unternehmen benötigen denken meist direkt an einen Bankkredit. Dabei können KMU auch auf ganz andere Finanzierungsquellen zurückgreifen. Mittelstandsanleihen, IPO, Debt-Fonds und Schuldscheine sind lohnenswerte Optionen für einen breit aufgestellten Finanzierungsmix.
Die Kreditnachfrage von deutschen und europäischen Unternehmen ist im Zuge der Corona-Krise auf einen neuen Höchststand geklettert. Laut dem Quartalsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) war die Nachfrage nach Krediten in der Eurozone im zweiten Quartal so hoch wie seit 2003 nicht mehr. Bei der Unternehmenskreditnachfrage ergab sich laut EZB demnach ein Anstieg um 62 Punkte. Die hohe Nachfrage spiegelt den Liquiditätsdurst der Unternehmen wider, denn seit der Pandemie ist ihr Umsatz stark zurückgegangen.
Das Emissionsvolumen von KMU-Anleihen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, gleichzeitig tendiert die Ausfallrate inzwischen gegen Null. Dies bedeutet auch: Für mittelständische Unternehmen gewinnen KMU-Anleihen wieder zunehmend an Attraktivität.
2019 herrschte am Aktienmarkt weitgehend IPO-Flaute, doch der heimische Markt für KMU-Anleihen hat sich überaus erfreulich entwickelt. Immerhin haben im vergangenen Jahr 35 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unter dem Strich 40 Anleihen auf den Markt gebracht – gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von fünf Bonds. Parallel zu den IBOs (Initial Bond Offering) stieg im vergangenen Jahr auch das platzierte Volumen – und zwar um gut 200 Millionen Euro auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Kurzum: Der positive Trend der vergangenen Jahre setzte sich auch 2019 fort – und könnte auch künftig weiter anhalten.
Mittelständische Unternehmen mit Liquiditätsbedarf setzen derzeit vor allem auf das altbewährte – und aktuell staatlich garantierte – Bankdarlehen. Doch über kurz oder lang wird der Schritt aufs Börsenparkett für viele Unternehmen immer mehr zur attraktiven Finanzierungsalternative.
Die Folgen der Corona-Krise sind noch immer nicht absehbar. Unumstritten ist jedoch, dass die Krise den Mittelstand mit voller Wucht getroffen hat – und zwar so sehr, dass Deutschland in eine schwere Rezession schlittern wird beziehungsweise sich inmitten einer solchen befindet.
Die Corona-Pandemie hält die Börse immer noch in Atem. Doch der deutsche Aktienmarkt ist auf einem guten Weg, sich wieder zu stabilisieren. Das ist nicht nur für Investoren auf der Suche nach stabiler Rendite eine gute Nachricht, sondern auch für Mittelständler mit Finanzierungsbedarf.
Noch geht es an der Börse weiterhin recht turbulent zu, doch bei weitem nicht mehr so wild wie zu Beginn der Corona-Krise. Dass sich die Lage langsam aber sicher wieder ein wenig entspannt, signalisiert auch der Volatilitäts-Index VDAX. Während das Schwankungsbarometer Mitte März auf über 85 Punkte kletterte, weist der Index nun Werte um die 30-Punkte-Marke auf.
Das neue Bankengesetz Basel III wurde jüngst verschoben. Anstatt zum 1. Januar 2022, sind die neuen Standards nun erst ab 1. Januar 2023 verbindlich. Sinnvoller wäre jedoch, wenn das Projekt nicht aufgeschoben, sondern gleich aufgegeben würde. Grund: Basel III wirkt mit Blick auf die Corona-Krise wie ein starker Dämpfer für die ohnehin angeschlagenen mittelständischen Unternehmen.
Fakt ist: Banken müssen weiter in der Lage sein, einer drohenden Rezession mit zusätzlichen Kreditvergaben entgegenzuwirken. Denn auch in der Zeit nach der Krise ist die verlässliche Versorgung mit Bankkrediten ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die mittelständische Wirtschaft in Deutschland und in ganz Europa. Ein Anstieg der Eigenkapitalanforderungen um durchschnittlich 23,7 Prozent beziehungsweise 91 Milliarden Euro (Quelle: Impact Studie der Eba/Quelle) durch Basel III ist angesichts der gesamtwirtschaftlichen Schäden daher weder leistbar noch realistisch.
Crowdlending im Mittelstand ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden. Wer genau hinschaut, stellt jedoch fest, dass diese Finanzierungsform für den Mittelstand häufig mehr Nach- als Vorteile hat.
Unternehmen, die schnell wachsen, benötigen in der Regel viel Kapital. Vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) besteht beispielsweise im Zuge der Digitalisierung oft ein hoher Investitionsbedarf. Wenn dann die Hausbank nicht mitspielt oder das Kreditantragsprozedere zu lange dauert, sind Unternehmen froh, Finanzierungsalternativen zu finden.
