Deutschland fehlen rund 25 Milliarden Tonnen Wasser gegenüber dem üblichen Niveau. Was lange wie ein reines Umweltproblem wirkte, entwickelt sich zu einem handfesten Wirtschafts- und Standortrisiko für Industrie und Mittelstand.
Das zeigt eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Geoforschung, die Ende 2025 ein erhebliches Wasserdefizit dokumentiert – verursacht durch 18 Prozent weniger Niederschlag und verstärkte Verdunstung durch Hitze. Betroffen sind nicht mehr nur die bekannten Trockenregionen im Osten, sondern zunehmend auch wirtschaftsstarke Ballungsräume entlang der Rheinschiene. Nach Angaben des BUND nutzen 201 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten bereits mehr Grundwasser, als durch Niederschläge neu entsteht. Besonders hart trifft es energie- und wasserintensive Branchen: Kraftwerke, Stahlwerke und Chemieanlagen sind auf große Kühlwassermengen angewiesen. Allein auf die Energieversorgung entfallen je nach Jahr 42 bis 50 Prozent der gesamten Wasserentnahme in Deutschland. Sinken Pegel oder steigen Wassertemperaturen, greifen behördliche Auflagen, mit der Folge gedrosselter Produktion und höherer Betriebskosten. Hinzu kommt wachsender Regulierungsdruck: Bayern hat bereits einen Wassercent eingeführt, der auch Industriebetriebe trifft. Wer Standortentscheidungen und Investitionsplanung bislang ohne Wasserverfügbarkeit kalkuliert hat, muss diesen Faktor künftig einpreisen. Effizientere Kühltechnologien und Kreislaufsysteme können helfen, Versorgungsrisiken frühzeitig zu begrenzen.
