Die neueste Auflage unserer Veranstaltungsreihe „Sport meets Corporate Finance“ führte uns am 8. Mai 2025 ins Max-Morlock-Stadion nach Nürnberg sowie in das dortige Club-Museum. Rund 25 Unternehmerinnen und Unternehmer, Gründer sowie Geschäftsführer kamen zusammen, um inmitten historischer Fußballmomente und spannender Einblicke im Rahmen der Stadionführung aktuelle Themen rund um Corporate Finance zu diskutieren – und zwei besondere Gäste zu erleben: Club-Torwartlegende Raphael Schäfer und Johannes Bisping, Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg.
Kapitalmarkt
Zunehmender Transformations- und Anpassungsdruck setzt den deutschen Mittelstand branchenübergreifend unter Stress. Besonders betroffen sind Automobilzulieferer, der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Immobilienentwicklung. Auslöser sind laut einer aktuellen Analyse vor allem strukturelle Ursachen wie ein schwächerer Nachfrageverlauf, strategische Managementdefizite und veraltete Geschäftsmodelle.
Die Studie sieht insbesondere im ersten Quartal 2025 einen deutlichen Anstieg restrukturierungsbedürftiger KMUs. Als Gegenmaßnahmen empfehlen die Studienautoren eine konsequente Neuausrichtung: Frühwarnsysteme zur Risikofrüherkennung, Transparenz über Ertrags- und Verlustbringer, verschlankte Organisationsstrukturen und eine klare strategische Priorisierung von Wachstumsmärkten – etwa in China – gelten als zentrale Stellhebel.
Die Zahl der Restrukturierungsfälle dürfte laut Einschätzung weiter steigen – ebenso wie die Insolvenzen. Das geht aus dem aktuellen W&P Sanierungs- und Restrukturierungsbarometer hervor, wie der Beck-Verlag berichtet.
Die neue Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz will die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs bringen. Klingt gut – doch wer zwischen den Zeilen liest, merkt schnell: Der Mittelstand und insbesondere die kapitalmarktorientierten KMU kommen kaum vor. Im Koalitionsvertrag taucht das Wort „Börse“ genau einmal auf – und das nur im Zusammenhang mit Tierbörsen. Dabei wäre ein verbesserter Kapitalmarktzugang für KMU ein wichtiger Schlüssel zu mehr Wachstum.
Zwar gibt es erste gute Ansätze: Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) sprach im Bundestag von dringend nötiger Unterstützung für den Mittelstand. Sie kündigte Entlastungen bei Energie und Steuern sowie mehr Förderprogramme an. Doch was fehlt, sind konkrete Maßnahmen – vor allem für jene Mittelständler, die sich über den Kapitalmarkt finanzieren wollen.
Im Handelsblatt berichtet der schwäbische Mittelständler Pfisterer über seinen gelungenen Handelsstart an der Börse und zeigt damit, dass auch Familienunternehmen den Kapitalmarkt erfolgreich nutzen können.
Das schwäbische Familienunternehmen Pfisterer hat kürzlich erfolgreich den Sprung an die Börse geschafft, um dringend benötigtes Kapital für Investitionen in Produktion und Technologie zu erhalten. Der Börsengang, bei dem ein Minderheitsanteil verkauft wurde, brachte rund 200 Millionen Euro in den freien Handel und bewertete das Unternehmen mit über 500 Millionen Euro. Trotz des Erfolgs gilt ein solch vergleichsweise kleines Börsenvolumen unter Experten als kritisch, da es die Liquidität und das Interesse internationaler Investoren einschränken kann. Üblicherweise sollte das platzierte Volumen mindestens 250 bis 500 Millionen Euro betragen. Der Fall Pfisterer zeigt, dass auch mittelständische Unternehmen vom Kapitalmarkt profitieren können, wenn sie sich gut vorbereiten und ein klares Wachstumskonzept vorlegen. Gleichzeitig macht der Rückzug anderer Mittelständler wie der Deutschen Familienversicherung (DFV) oder der Raumfahrtfirma OHB deutlich, dass die Börse nicht für jedes Unternehmen der richtige Weg ist. In vielen Fällen bieten Private-Equity-Investoren eine Alternative: Sie finanzieren Wachstum und bereiten Firmen auf eine spätere Börsennotierung vor. Dabei bleibt die Gründerfamilie häufig zunächst beteiligt und plant einen schrittweisen Ausstieg. Insgesamt zeigt sich, dass der Kapitalmarkt für den Mittelstand durchaus Chancen bietet – vorausgesetzt, Volumen und Strategie stimmen.
Der Prozess auf dem Weg zum IPO gleicht einer Filmproduktion. Bevor ein Film in die Kinos kommt, wird er stets einem Testpublikum vorgeführt. In diesen sogenannten Screenings prüft das Studio, wie bestimmte Szenen ankommen, ob der Spannungsbogen trägt – und ob das Zielpublikum erreicht wird. Im Rahmen eines Börsengangs spricht man von einem sogenannten Pilot Fishing, dem sich in Abhängigkeit vom Verlauf das breitere Market Sounding anschließt. Investmentbanken sprechen dabei mit ausgewählten Investoren, um einen ersten Eindruck dafür zu bekommen, ob das Unternehmen und die „Equity Story“, also das Drehbuch, marktfähig sind.
Es gilt wie bei einer klassischen Beziehungskomödie eine Anbahnung herbeizuführen. Es muss in einer sehr kurzen Zeitphase gelingen, den Investoren als Publikum über die Equity Story, die handelnden Personen und das Zahlenwerk des Unternehmens den Hof zu machen. Im nächsten Schritt geht es darum, sich auf ein weiteres Date einzulassen und später die Aktie zu zeichnen. Doch wie beim Film reicht es nicht, nur Feedback einzusammeln, sondern entscheidend ist, wer befragt wird. Das Publikum muss zur Zielgruppe passen – im Kapitalmarkt ist das der richtige Investoren-Mix. Wer später erfolgreich gelistet und potenziell in einen Index wie MDAX oder SDAX aufgenommen werden will, muss sich bewusst und strategisch aufstellen.
Während so manches Unternehmen eifrig seinen Börsengang plant und viele Vorteile in diesem Schritt sieht, gehen immer mehr Unternehmen mit einem Delisting den umgekehrten Weg. Sie stellen sich die Frage, was ihnen die Börsennotierung wirtschaftlich eigentlich bringt und setzen eigenständig oder mit Investoren-Partnern das Taking Private um. Dieser Rückzug wirft wichtige Fragen auf.
Pünktlich um Mitternacht am 16. April 2025 endete ein Stück deutsche Börsengeschichte: Der Handelskonzern Metro nahm seine Aktien endgültig von der Börse. 29 Jahre lang notierten die Aktien des einstigen DAX-Konzerns an der Frankfurter Börse; eine Ära geht zu Ende.
Der Rückzug ist dabei kein Einzelfall. Auch andere weltbekannte Unternehmen haben der Börse – zumindest zeitweise – schon den Rücken gekehrt: Der Computerhersteller Dell etwa, um sich zu sanieren. Oder die Industrie-Ikone Linde, die nach ihrer Übernahme von Praxair vollständig und erfolgreich an die New Yorker Börse wechselte. Ein Tiefschlag für die Deutsche Börse. Für Aufsehen sorgte in Deutschland zuletzt der Batteriehersteller Varta, der als Sanierungsfall im StaRUG-Verfahren seine Aktionäre ohne Abfindungsangebot quasi enteignen und so ein kaltes Delisting seiner Notierung vornehmen konnte.
Der deutsche Mittelstand blickt mit großer Sorge auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump – weniger wegen der US-Zölle selbst, sondern wegen möglicher Gegenzölle der EU.
Während Trump seine angekündigten Zölle zunächst aussetzt, bereitet sich die EU auf mögliche Gegenreaktionen vor. Laut einer Umfrage der DZ Bank rechnen 75 Prozent der befragten Unternehmen mit negativen Folgen europäischer Gegenmaßnahmen, etwa durch steigende Einkaufspreise oder gestörte Lieferketten, wohingegen sich nur 65 Prozent der befragten Unternehmen von den US-Zöllen direkt betroffen fühlen. Besonders betroffen wären Branchen wie Metallverarbeitung, Maschinenbau und Autoindustrie, die trotz allem die USA als strategisch wichtigen Absatzmarkt einstufen. Claus Niegsch, Branchenanalyst bei der DZ Bank, betont jedoch: „Die Sorge über höhere Einkaufspreise aufgrund der Gegenzölle könnte verfrüht sein.“ Auch wenn US-Produkte teurer würden, „könnten in Folge der Trumpschen Zölle Waren aus anderen Heimatländern, die eigentlich für den amerikanischen Markt bestimmt waren, nach Europa gelangen und hier die Preise senken“. Auch schließt Niegsch nicht aus, dass deutsche KMU künftig planen, wegen der drohenden Abgaben in den USA zu produzieren und so Trumps Plänen Folge zu leisten.
Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand – ein Zusammenschluss von zehn Verbänden aus produzierendem und dienstleistendem Gewerbe, aus Handwerk, Handel, Gastgewerbe, Kreditwirtschaft und Freien Berufen – fordert die neue Bundesregierung auf, bereits in ihren 100 ersten Regierungstagen wichtige Maßnahmen zu ergreifen, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den deutschen Mittelstand zu verbessern.
Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD haben kurz vor Arbeitsbeginn der neuen Bundesregierung Post aus dem Mittelstand bekommen. Konkret schlägt die AG Mittelstand darin sieben Maßnahmen vor, die die Merz-Regierung schon in den ersten 100 Tagen angehen sollte, um Unternehmen und Betrieben wieder Perspektiven und Handlungsspielräume zu eröffnen:
- Senkung der Strompreise und Netzentgelte
- Umfangreiche Abschreibungsregeln und Unternehmenssteuerreform
- Einbeziehung der Sozialpartner (Arbeitgeber, Gewerkschaften) in relevante Gesetzgebung
- Abschaffung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, unbürokratische neue Regeln
- Bürokratieabbau durch Sofort-Entlastungsprogramm
- Abschaffung der Bonpflicht
- Schnelle Verabschiedung des Bundeshaushalts 2025
