In einer neuen Beitrags-Serie erklären die Kapitalmarkt-Experten von der Quirin Privatbank Schritt für Schritt wie ein Initial Public Offering (IPO) abläuft. Von den Vorbereitungen bis hin zum Start auf dem Börsenparkett erfahren Kapitalmarktinteressierte Unternehmen, worauf es bei einem IPO ankommt. Im ersten Beitrag erklärt Carsten Peter, Direktor Corporate Finance bei der Quirin Privatbank, warum sich ein IPO für Mittelständler lohnt und welche Aufgaben und Herausforderungen auf Unternehmen am Anfang zukommen.
Finanzierung
Zahlreiche Mittelständler haben trotz Hilfsgeldern kaum noch Rücklagen. Finanzielle Engpässe hindern Unternehmen daran, nach der Krise schnell wieder auf die Beine zu kommen. KMU-Anleihen oder ein IPO sind geeignete Alternativen, um nach der Krise mit Investitionen schnell loslegen zu können.
Der Mittelstand bereitet sich darauf vor, nach der Corona-Krise endlich wieder durchzustarten. Laut einer ifo-Umfrage haben im vierten Quartal 2021 erstmals wieder mehr KMU Kreditverhandlungen mit Banken und Sparkassen geführt. Rohstoffe, Vorprodukte und Investitionsprojekte werden teurer. Durch die Inflation steigt der Finanzierungsbedarf vieler Unternehmen. Hinzu kommen anhaltende Liquiditätslücken. Entsprechend stieg der Anteil der Mittelständler, die ein Bankdarlehen aufnehmen wollten, gegenüber dem Vorquartal. Nach fünf Rückgängen in Folge stieg der Anteil jetzt um 1,6 Prozentpunkte auf 19,3 Prozent. Doch es zeigt sich auch: Im Vergleich zu Vorkrisenzeiten bleiben Unternehmer zögerlich.
Der Anteil der Gründerinnen von Start-ups liegt hierzulande derzeit bei lediglich 17,7 Prozent, die Gründerinnenquote allgemein ist mit 38 Prozent weiterhin rückläufig. Ein Grund dafür ist der Zugang zu Kapital für frauengeführte Unternehmen und Start-ups. Ein Gastbeitrag von Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen e.V. (VdU) und Geschäftsführerin der Interkultureller Sozialdienst GmbH.
Seit fast 30 Jahren hat Deutschland keine so starke Inflation erlebt wie in diesen Monaten. Darüber hinaus werden die wirtschaftlichen Probleme des vergangenen Jahres auch 2022 andauern. Lieferengpässe und steigende Materialkosten bedrohen das Geschäft. Ein Hoffnungsschimmer ist der WSF-Stabilisierungsfonds, der von der Bundesregierung nun endlich verlängert wurde.
Die Inflationsrate in Deutschland ist derzeit so hoch wie seit 28 Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr stieg sie auf durchschnittlich 3,1 Prozent – den höchsten Stand seit 1993. Allein im Dezember stieg die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,3 Prozent. Im gesamten Euroraum lag die jährliche Rate im November bei 4,9 Prozent. Das ist enorm, wenn man bedenkt, dass der EZB zufolge das Inflationsziel in der gesamten Eurozone grundsätzlich bei 2 Prozent liegt.
Die Ampelkoalition will Deutschlands Rentensystem verändern. Dazu soll ein Teil der Vorsorgegelder künftig am Kapitalmarkt angelegt werden – über zwei eigens dafür geschaffene staatliche Fonds. Das verspricht Kapitalzuflüsse in zweistelliger Milliardenhöhe.
Deutschland bekommt einen Staatsfonds. So steht es zumindest im Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien. Die neue Regierung werde „zur langfristigen Stabilisierung von Rentenniveau und Rentenbeitragssatz in eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung einsteigen“, heißt es darin. Der Fonds soll von einer öffentlich-rechtlichen Stelle verwaltet werden, diese könne das Geld global anlegen. Für die Märkte bedeutet das einen enormen Kapitalzufluss und für die Arbeitnehmer ein neues Rentensystem.
Während IPOs in den vergangenen Jahren ein Dornröschendasein führten, fand in diesem Jahr ein Umschwung statt. Der Markt für Börsengänge steuert weltweit auf neue Rekorde zu. Auch im kommenden Jahr ist mit einem positiven Umfeld zu rechnen.
Mit Daimler Truck krönte ein Traditionsunternehmen ein positives IPO-Jahr. Die Konzernmutter Daimler spaltete ihre Lastwagensparte ab und brachte sie an die Börse. Die Daimler Truck-Aktie notierte sogar kurzfristig im Elite-Börsenbarometer Dax, wurde am Abend aber wieder aus dem Index entfernt. Der Grund: Bei Ausgliederungen von Dax-Unternehmen ist es üblich, dass die an die Börse gebrachten Sparten zunächst für einen Tag als zusätzliche Werte in den Index kommen.
Der deutsche Mittelstand ist innovativ und zählt in vielen Bereichen zu den Champions. Dennoch sind KMU bei Börsengängen im Small und Mid Cap-Segment meist unterproportional vertreten. Dabei stellt ein IPO für Mittelständler eine attraktive Finanzierungsalternative dar.
KMU gelten weithin als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Häufig besetzen sie Nischen und sind dabei nicht selten Weltmarktführer. Geht es um die Finanzierung, vertrauen mittelständische Unternehmen jedoch meist auf bewährte Formen des klassischen Kredits. Über Jahrzehnte waren die etablierten Banken feste Partner der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland. Dabei sind gerade bei schnell wachsenden, internationalen KMU zunehmend Alternativen zur klassischen Mittelstandsfinanzierung gefragt, um künftige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Schließlich unterliegen die Finanzhäuser heute strengeren Vorschriften beim Risikomanagement im Kreditgeschäft als noch vor zehn Jahren.
Die Pandemie trifft deutsche KMU in ihrer gesamten Breite. Einige Mittelständler geraten ins Taumeln. Doch nach der Krise ist vor der Krise: Für viele Firmen ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich für die Zukunft zu wappnen.
Ökonomisch betrachtet hat die Corona-Pandemie insbesondere beim deutschen Mittelstand Spuren hinterlassen. So mussten KMU im vergangenen Jahr Umsatzverluste in Höhe von 277 Milliarden Euro hinnehmen. Die enorme Anpassungsfähigkeit des Mittelstands hat jedoch Schlimmeres verhindert. Dank ihrer soliden, in den Jahren zuvor aufgebauten Eigenkapitalausstattung sind die kleinen und mittelgroßen Unternehmen trotz empfindlicher Umsatzrückgänge einigermaßen glimpflich durch die Krise gekommen.
