Die neueste Auflage unserer Veranstaltungsreihe „Sport meets Corporate Finance“ führte uns am 8. Mai 2025 ins Max-Morlock-Stadion nach Nürnberg sowie in das dortige Club-Museum. Rund 25 Unternehmerinnen und Unternehmer, Gründer sowie Geschäftsführer kamen zusammen, um inmitten historischer Fußballmomente und spannender Einblicke im Rahmen der Stadionführung aktuelle Themen rund um Corporate Finance zu diskutieren – und zwei besondere Gäste zu erleben: Club-Torwartlegende Raphael Schäfer und Johannes Bisping, Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg.
Kapitalerhöhung
Die neue Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz will die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs bringen. Klingt gut – doch wer zwischen den Zeilen liest, merkt schnell: Der Mittelstand und insbesondere die kapitalmarktorientierten KMU kommen kaum vor. Im Koalitionsvertrag taucht das Wort „Börse“ genau einmal auf – und das nur im Zusammenhang mit Tierbörsen. Dabei wäre ein verbesserter Kapitalmarktzugang für KMU ein wichtiger Schlüssel zu mehr Wachstum.
Zwar gibt es erste gute Ansätze: Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) sprach im Bundestag von dringend nötiger Unterstützung für den Mittelstand. Sie kündigte Entlastungen bei Energie und Steuern sowie mehr Förderprogramme an. Doch was fehlt, sind konkrete Maßnahmen – vor allem für jene Mittelständler, die sich über den Kapitalmarkt finanzieren wollen.
Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand – ein Zusammenschluss von zehn Verbänden aus produzierendem und dienstleistendem Gewerbe, aus Handwerk, Handel, Gastgewerbe, Kreditwirtschaft und Freien Berufen – fordert die neue Bundesregierung auf, bereits in ihren 100 ersten Regierungstagen wichtige Maßnahmen zu ergreifen, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den deutschen Mittelstand zu verbessern.
Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD haben kurz vor Arbeitsbeginn der neuen Bundesregierung Post aus dem Mittelstand bekommen. Konkret schlägt die AG Mittelstand darin sieben Maßnahmen vor, die die Merz-Regierung schon in den ersten 100 Tagen angehen sollte, um Unternehmen und Betrieben wieder Perspektiven und Handlungsspielräume zu eröffnen:
- Senkung der Strompreise und Netzentgelte
- Umfangreiche Abschreibungsregeln und Unternehmenssteuerreform
- Einbeziehung der Sozialpartner (Arbeitgeber, Gewerkschaften) in relevante Gesetzgebung
- Abschaffung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, unbürokratische neue Regeln
- Bürokratieabbau durch Sofort-Entlastungsprogramm
- Abschaffung der Bonpflicht
- Schnelle Verabschiedung des Bundeshaushalts 2025
Eine aktuelle Studie des KfW Research zeigt, dass Bürokratie den deutschen Mittelstand jährlich 61 Milliarden Euro kostet. Dies entspricht etwa sieben Prozent der Arbeitszeit der Beschäftigten.
Pro Mitarbeiterin oder Mitarbeiter entspricht das der Studie zufolge einer Arbeitsbelastung von durchschnittlich rund 32 Stunden im Monat oder insgesamt 1,5 Milliarden Arbeitsstunden im Jahr. Besonders belastet sind Solo-Selbstständige (8,7 Prozent) und das Baugewerbe (8,1 Prozent), wobei die relative bürokratische Belastung mit zunehmender Unternehmensgröße sinkt. Die KfW fordert daher eine Reduzierung bürokratischer Hürden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu stärken. „Speziell diese psychologischen Kosten im Umgang mit Bürokratie nehmen bei vielen Unternehmen aber eine tragende Rolle ein. Diese sind allerdings nicht messbar. Klar ist: Aus Sicht der mittelständischen Unternehmen ist der Faktor Bürokratie das mit Abstand größte Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit und den Standort Deutschland“, so KfW-Mittelstandsexperte Michael Schwartz
Der deutsche Mittelstand verzeichnet laut aktuellem Datev-Mittelstandsindex einen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat Februar.
Besonders stark betroffen sind das Bauhauptgewerbe mit einem Rückgang von 5,8 Prozent, das Gastgewerbe mit 5,5 Prozent weniger Umsatz und das verarbeitende Gewerbe, das ein Minus von 4,1 Prozent verzeichnete. Insgesamt gingen im Vergleich zum Vormonat Februar branchenübergreifend die Gewinne um insgesamt 1,8 Prozent zurück. „Sinnbildlich für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Deutschlands steht der erneute Umsatzrückgang im Verarbeitenden Gewerbe. Von der neuen Bundesregierung ist entschlossenes politisches Handeln gefragt – schnell, wirksam und unbürokratisch“, so Robert Mayr, CEO der Datev. Die anhaltend schwache Konjunktur, zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit sowie steigende Lohnkosten belasten viele kleine und mittelständische Unternehmen, sodass sie Maßnahmen wie einen Stellenabbau ergreifen müssen.
Durch die EU-Nachhaltigkeitsrichtlinie „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) sind Banken und Sparkassen ebenfalls verpflichtet, ESG-Risiken in ihre Geschäftspraktiken zu integrieren. Jedoch sind viele mittelständische Unternehmen in Deutschland laut einer aktuellen KfW-Studie schlecht auf die steigenden Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung vorbereitet. Das könnte zu Problemen bei der Kreditvergabe führen.
Nur 48 Prozent der befragten kleinen und mittleren Unternehmen können aktuell oder perspektivisch mindestens einen Nachhaltigkeitsindikator wie Daten zum Strom-, Wasser- und Energieverbrauch oder zu ihren Treibhausgasemissionen nachweisen. Besonders kleinere Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Erhebung solcher Daten. Im Jahr 2023 thematisierten Banken und Sparkassen das Thema Nachhaltigkeit etwa jedem sechsten Kreditgespräch mit Mittelständlern, wobei größere Unternehmen häufiger betroffen waren. Dies führt zu Unsicherheit unter den KMU, da sie nicht einschätzen können, wie relevant Nachhaltigkeitsthemen in zukünftigen Kreditverhandlungen für sie sein werden. Die KfW empfiehlt den Unternehmen, sich frühzeitig mit den Anforderungen auseinanderzusetzen, um bei zukünftigen Kreditverhandlungen besser vorbereitet zu sein.
Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die kommende Legislaturperiode sieht eine umfassende Reform der steuerlichen Forschungszulage vor.
Mit der Reform verbunden sind höhere Fördersätze, eine erweiterte Bemessungsgrundlage sowie eine drastische Vereinfachung der Antrags- und Nachweisverfahren. Ziel ist es, Unternehmen aller Größen mehr Planungssicherheit und finanzielle Anreize zu bieten, berichtet Starting-up.de.
Der Koalitionsvertrag betont unmissverständlich (S. 80, Z. 2591–2592): „Bei der steuerlichen Forschungszulage heben wir den Fördersatz und die Bemessungsgrundlage deutlich an und vereinfachen das Verfahren.“ Ziel sei es, dass Wirtschaft und Staat bis 2030 mindestens 3,5 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung investieren.
Laut einer KfW-Umfrage hat sich der Zugang des Mittelstands zu Krediten im ersten Quartal 2025 weiter verschlechtert. 33,8 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland nehmen die Kreditverhandlungen mit Banken als restriktiv wahr – der höchste Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 2017.
Ursachen sind die schwache Konjunktur, welche zur schwachen Kreditwürdigkeit von Unternehmen führt, und die zunehmenden Handelsspannungen mit den USA, welche die Planungssicherheit beinträchtigen und die Kreditinteresse der Unternehmen hemmen. Besonders betroffen ist das Baugewerbe. Hier bemängelten 29,6 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen einen schwierigen Zugang zu Bankkrediten, 4,8 Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Bei Großunternehmen lag das Plus bei 5,3 Prozentpunkten auf 33,3 Prozent. Im Gegensatz dazu verbesserte sich die allerdings die Gesamtsituation für Großunternehmen, bei denen branchenübergreifend nur 23,6 Prozent von restriktiven Kreditverhandlungen berichteten. „Trotz der eingeleiteten Leitzinssenkungen ist bis jetzt kein Ende der Nachfrageschwäche nach Unternehmenskrediten in Sicht. Zuletzt bekam die Kreditnachfrage Gegenwind durch den erneuten Anstieg der längerfristigen Kreditzinsen“, sagt Studienautorin und Kreditmarktexpertin Jenny Körner.
