Home FinanzierungKapitalmarkt-Serie Teil 3: „Das Research-Team muss zum Unternehmen passen“

Kapitalmarkt-Serie Teil 3: „Das Research-Team muss zum Unternehmen passen“

von Klaus Soer

In der Beitrags-Serie erklären die Kapitalmarkt-Experten der Quirin Privatbank Schritt für Schritt, wie ein Initial Public Offering (IPO) abläuft. Von den Vorbereitungen bis hin zum Start auf dem Börsenparkett erfahren am Kapitalmarkt interessierte Unternehmen, worauf es bei einem IPO ankommt. Im dritten Teil erklärt Klaus Soer, Leiter Institutionelles Research bei der Quirin Privatbank, welche Aufgaben und Analysen der Research-Bereich übernimmt, und worauf Mittelständler achten sollten.

 

Herr Soer, das Research ist besonders wichtig, um das Geschäftsfeld des Börsen-Kandidaten bestmöglich einschätzen zu können. Ab wann werden die Research-Spezialisten der Quirin Privatbank in den IPO-Prozess eingebunden?

Klaus Soer: Der Research-Bereich beginnt mit seiner Arbeit meist parallel zur Prospekt-Erstellung und der Entwicklung der Equity Story. In der Regel ist das nach etwa drei bis vier Monaten im IPO-Prozess der Fall. In dieser Phase beginnen wir damit, alle relevanten Daten zum Unternehmen zu sammeln und auszuwerten. Am Ende steht dann der Research-Bericht, der Aufschluss gibt über die wichtigsten Kennzahlen, das Wachstumspotenzial und eine realistische Bewertung des jeweiligen IPO-Kandidaten. Der Research-Prozess dauert meist sechs bis acht Wochen. Die Übergänge der Zusammenarbeit im IPO-Prozess sind fließend. Im Anschluss an das Research nutzt das Sales-Team unsere Ergebnisse im Gespräch mit potenziellen Investoren.

 

Das Research ist zentraler Bestandteil des gesamten IPO-Prozesses. Worauf sollten Unternehmen, die einen Börsengang anstreben, achten und wodurch zeichnet sich ein gutes Research-Team aus?

Grundlegend sollten an der Börse interessierte Unternehmen prüfen, ob die Bank, die für die IPO-Begleitung infrage kommt, ein hauseigenes Research-Team hat oder auf externe Ressourcen zurückgreift. Zudem unterscheiden sich Research-Teams durch ihre Expertise in bestimmten Geschäftsfeldern sowie die Art ihrer Herangehensweise. Wichtig ist vor allem, dass das Team ausreichend Erfahrung mit dem Geschäftsbereich des jeweiligen IPO-Kandidaten hat. Bei der Quirin haben wir ein eigenes Research-Team mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Small- und Mid Cap-Unternehmen. Thematisch liegt unser Schwerpunkt im Feld der Consumer Products, insbesondere E-Commerce sowie Immobilien, Technologie, IT und Alternative Energies. Unternehmen, die an die Börse streben, sollten darauf achten, dass das jeweilige Research-Team zum Geschäftsfeld und der Größe des eigenen Unternehmens passt.

 

Wie läuft das Research ab, welche Daten des IPO-Kandidaten werden analysiert?

Es gibt verschiedene Ansätze, nach denen Daten erhoben und ausgewertet werden. Wir bei der Quirin Privatbank betreiben Fundamental-Research. Die wirtschaftliche Makro-Ebene wird natürlich nicht vollkommen außer Acht gelassen, unsere Analysten konzentrieren sich aber spezifisch auf die Mikro-Ebene, die Geschäftsdetails des jeweiligen IPO-Kandidaten. Das Research findet unabhängig von den Due Dilligence-Verfahren statt, die Corporate Finance durchführt. Das Research-Team macht sich ein in weiten Teilen unabhängiges Bild des Unternehmens und seiner potenziellen Bewertung. Im ersten Schritt greifen unsere Analysten auf öffentliche Unternehmensdaten zurück und lernen das Geschäftsmodell des Börsenkandidaten ausführlich kennen. Im Detail schauen wir uns die historischen Unternehmensdaten an, analysieren das Marktsegment und die Wettbewerber. Darüber hinaus führen wir ausführliche Gespräche mit dem Management, bis wir eine ausreichende Informationsbasis aufgebaut haben. Auf der Grundlage professioneller Standards erstellen wir anschließend eine Unternehmensbewertung, aus der sich dann ein realistischer IPO-Preis abschätzen lässt.

 

Das Research analysiert eine Fülle an Informationen. Stehen bei der Fundamental-Analyse bestimmte Unternehmensdaten im Vordergrund?

Wir schauen insbesondere auf Zahlen, die für potenzielle Investoren wichtig sind. Denn der Research-Bericht ist eine der Grundlagen für die kommende Roadshow, bei der das Unternehmen interessierten Investoren vorgestellt wird. Natürlich sollten daher vor allem die grundlegenden operativen Kennzahlen wie Gewinn und Umsatz stimmen. Zudem braucht es eine Wachstumsperspektive. Es muss klar erkennbar sein, für welche Investitionen das Unternehmen Liquidität benötigt. Der Börsenkandidat sollte sich bewusst sein, dass es eine langfristige Perspektive braucht, und es sich ein Standing am Kapitalmarkt erarbeiten muss. Das ist eine zentrale Herausforderung für Unternehmen, bei dem wir natürlich unterstützend beitragen.

 

Die Vorbereitungen auf ein IPO sowie der Börsenstart sind nur der Anfang. Wie geht es mit dem Research weiter, sobald das Unternehmen erstmal auf dem Börsenparkett gelandet ist?

Am Anfang steht das Emissions-Research, welches während des IPO-Prozesses qualifizierten Investoren zur Verfügung gestellt wird. Nach dem IPO folgt dann die sogenannte quiet period, in der das nun börsennotierte Unternehmen nur sehr eingeschränkt mit den Anlegern kommuniziert. Das heißt jedoch nicht, dass unser Research-Team danach untätig ist. Ganz im Gegenteil berichten wir regelmäßig zu den Entwicklungen des Unternehmens, das wir an den Kapitalmarkt begleitet haben. Wir kommentieren Quartalszahlen, Jahresabschlussberichte und die Entwicklungen des Geschäftsfelds. Unternehmen und Investoren können sich auch nach dem IPO voll und ganz auf unser Research verlassen.

 

Über den Kapitalmarktblog:

Hier schreiben die Kapitalmarktexperten der Quirin Privatbank über die deutsche Wirtschaft und alles, was den heimischen Mittelstand bewegt. Das erfahrene Team der Quirin Privatbank hat die Entwicklungen rund um die Mittelstandsfinanzierung immer im Blick und zeigt auf, welche alternativen Finanzierungsformen für KMU interessant sind.

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