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So war das internationale IPO-Jahr 2025 im Vergleich

von Holger Clemens Hinz
IPOs 2025 - So lief das Jahr für Börsengänge

Im zurückliegenden Jahr ist die Zahl der Börsengänge weltweit leicht gestiegen. Vor allem die Emissionsvolumina der IPOs fielen 2025 deutlich höher aus. Davon ist in Deutschland und Europa allerdings wenig zu spüren und noch weniger angekommen.

Von Holger Clemens Hinz

Insgesamt 1259-mal wagten Unternehmen 2025 weltweit den Sprung an die Börse. Im Vergleich zu 2024 ist das ein Anstieg um 19 Unternehmen, und ein Plus von zwei Prozent. Das geht aus dem aktuellen IPO-Barometer der Unternehmensberatung EY hervor, dessen Ergebnisse am 10. Dezember 2025 erschienen sind.

Die leichte Verbesserung bei der Zahl der Börsengänge geht allerdings mit einem deutlichen Zuwachs beim Emissionsvolumen einher. Im Vergleich zu 2024 stieg es um 32 Prozent auf 163,3 Milliarden US-Dollar. Das Wachstum am IPO-Markt ist international allerdings ungleich verteilt. Beispielsweise profitierte Chinas Aktienmarkt (inklusive der Hongkong Stock Exchange) von 214 Neuemissionen und damit 35 Börsengängen mehr als im Vorjahr.

China lockt viele Unternehmen, New York viele Investoren an

Vor allem das Emissionsvolumen stieg an Chinas Börsen um 156 Prozent auf 53,7 Milliarden US-Dollar. In China fand auch der nach Volumen größte Börsengang des Jahres 2025 statt: Die Contemporary Amperex Technology (CATL), der weltweit größte Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos und Stromspeichersysteme, konnte dabei allein rund 5,3 Milliarden US-Dollar erlösen. Zum Jahresende lag der Aktienkurs an der Hongkong Stock Exchange mehr als 70 Prozent im Plus.

Auch der US-Markt zog kräftig an: 2025 gab es laut EY-Analyse mit 220 Transaktionen 34 mehr als im Vorjahr. Dabei stieg das Gesamtvolumen von 33,0 auf 40,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von knapp 22 Prozent. Andere Quellen wie stockanalysis.com haben für das Jahr 2025 sogar 347 IPOs in den USA gezählt, was auch SPACs, Listing von SPAC-Units, aber auch Dual Class Strukturen (A-/B-Aktien) inkludiert. Auffällig war, dass nahezu zwei Drittel aller Börsengänge in den USA aus dem Ausland stammen, insbesondere aus Asien.

Der größte IPO in den USA nach Marktkapitalisierung war dabei das US-Unternehmen Coreweave, ein Cloud-Anbieter für KI-Anwendungen. Mit 1,5 Milliarden Dollar erreichte das Unternehmen auch das zweithöchste Emissionsvolumen in den USA. Gegenüber dem Ausgabepreis hat sich der Kurs bereits mehr als verdoppelt. Noch größer war lediglich das Emissionsvolumen von Venture Global, die im Januar an die Börse gingen und 1,75 Milliarden Euro erlösten. Venture Global ist in Herstellung und Transport von Flüssiggas tätig. Der Aktienkurs ist seit Ausgabe allerdings um mehr als 6o Prozent gefallen.

IPOs 2025: Schwache Entwicklung in Europa

Die Entwicklung am europäischen IPO-Markt verlief dagegen enttäuschend. Die Zahl der Börsengänge sank von 131 im Jahr 2024 auf nur noch 100 in 2025 – ein Rückgang um satte 24 Prozent. Auch das Emissionsvolumen sank um elf Prozent auf 17,1 Milliarden US-Dollar. Größter europäischer IPO war der Schweizer Hersteller von Alarmsystemen Verisure. Das Unternehmen mit schwedischen Wurzeln konnte bei seinem Börsengang an der NASDAQ in Stockholm umgerechnet 4,2 Milliarden US-Dollar einsammeln. Der größte IPO in Deutschland war der Prothesenhersteller Ottobock mit einem Emissionserlös von umgerechnet 865 Millionen US-Dollar und einer Marktkapitalisierung von rund fünf Milliarden US-Dollar. Drei Monate nach der Aktienemission liegt die Marktkapitalisierung bei 4,5 Milliarden US-Dollar und der Aktienkurs rund zehn Prozent im Minus.

Die Gründe für die IPO-Schwäche in Europa sieht Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, rückblickend auf das Jahr 2025 in lokalen Rahmenbedingungen und der anhaltenden Wachstumsschwäche der europäischen Märkte. „Das IPO-Geschehen war besonders im ersten Halbjahr von einem Auf und Ab des Marktsentiments geprägt“, kommentiert er die Zahlen. Der US-Markt profitierte Steinbach zufolge von Deregulierung und Zinssenkungshoffnungen, vor allem bei den Cross-Border-IPOs aus Asien.

Vorsichtiger Optimismus für 2026

Technologiefirmen waren bei den weltweiten IPOs weiterhin die dominierende Branche. 202-mal nahmen Unternehmen aus diesem Sektor eine Börsennotierung auf und konnten dabei 34 Milliarden US-Dollar von Investoren einsammeln. An zweiter Stelle standen nach Emissionsvolumen Unternehmen aus dem Bereich Mobility, bei der Zahl der Börsengänge war Advance Manufacturing die zweitbeste Branche.

Für das Jahr 2026 gibt es Grund zu vorsichtigem Optimismus. Grundsätzlich sei die globale IPO-Pipeline gut gefüllt, sagt EY-Experte Steinbach, es bestehe sogar ein Rückstau an Unternehmen, die auf ein geeignetes Zeitfenster für ihren Börsengang warten. In den USA könnten Schwergewichte wie SpaceX, OpenAI oder die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac den Gang auf das Börsenparkett wagen. Auch für Deutschland gäbe es ein Potenzial von bis zu zehn IPOs im kommenden Jahr, potenzielle Börsenkandidaten sind etwa der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, der Prozessoptimierer Celonis oder die Aufzugsparte von Thyssenkrupp, TK Elevators. Schon im Januar könnte das Energietechnik-Unternehmen Asta Energy Solutions sein Börsendebüt in Frankfurt geben. Das Unternehmen aus Niederösterreich sollte ursprünglich schon 2023 die Notierung an der Wiener Börse aufnehmen. Mit Bitpanda scheint nach eigenen Ankündigungen daneben ein weiterer IPO-Kandidat schon in den Startlöchern für das Frankfurter Parkett zu stehen. „Für die Wahl des richtigen Zeitpunkts kommt es vor allem auf das Kapitalmarktsentiment, das erwartete Wertsteigerungspotenzial nach einem Börsengang sowie realistische Preisvorstellungen der Alteigentümer an – daran wird sich 2026 nicht ändern“, sagt Steinbach.

Zuletzt reklamierte die New Yorker Börse (NYSE) sieben der zehn größten IPOs 2025 für sich.  Damit der Kapitalmarkt in Europa und Deutschland wieder attraktiver für IPOs wird, dürften kurzfristig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend sein, damit Unternehmen ausreichend hohe Bewertungen erreichen und den Sprung aufs Parkett wagen. Langfristig ist eine europäische Kapitalmarktunion jedoch elementar, um die Bedingungen und Anforderungen für Börsengänge von Unternehmen zu vereinheitlichen und einen großen, attraktiven Kapitalmarkt in Europa zu schaffen, der als Alternative zu einem Börsengang in New York funktioniert.

 

Über den Kapitalmarkt-Blog:

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Holger Clemens Hinz
Leiter Kapitalmarktgeschäft

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