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SpaceX an der Börse: Das Meisterstück von Elon Musk

von Holger Clemens Hinz
Raketenstart für SpaceX: Der Börsengang brachte 75 Milliarden Dollar und 20 Prozent Kursplus am ersten Tag

Dem Raumfahrt- und Satelliten-Unternehmen SpaceX von Elon Musk ist mit einer Billionen-Bewertung der Börsengang an der Nasdaq gelungen. Dabei haben Privatanleger ungewöhnlich viele Aktien erhalten und konnten sich schon am ersten Tag über ein dickes Kursplus freuen. Wird der hohe Retail-Anteil jetzt zum Vorbild für kommende IPOs?

Von Holger Clemens Hinz

Beim größten Börsengang der Geschichte gelang ein Traumstart an der Nasdaq. SpaceX feierte am 12. Juni 2026 sein Börsendebüt mit einem Erlös von 75 Milliarden Dollar, einer Bewertung von 1,77 Billionen Dollar und einem Schlusskurs von 161,82 Dollar. Neuen und alten Aktionären bescherte das gleich am ersten Handelstag einen Gewinn von knapp 20 Prozent über dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Und es bestätigte das Börsen-Bonmot, nach dem man niemals gegen Elon Musk wetten sollte.

Ungewöhnlich war bei diesem IPO nicht nur die Größenordnung, sondern die Transaktionsstruktur: 30 Prozent der emittierten Aktien gingen an Privatanleger. Das waren immerhin Aktien im Wert von mehr als 22 Milliarden Dollar. Der ungewöhnlich hohe Retail-Anteil stellt eine fundamentale Abkehr vom Standardmodell dar, die Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Das klassische IPO-Modell: Institutionelle zuerst

Bei einem typischen Börsengang erhalten institutionelle Investoren, also Fonds, Pensionskassen und Versicherungen, in der Regel 90 bis 95 Prozent der emittierten Aktien. Privatanleger bekommen dann höchstens fünf bis zehn Prozent der Aktien. Die Begründung: Institutionelle zeichnen in großen Blöcken, liefern verlässliche Preisinformation und gelten als stabilisierende Ankeraktionäre. Großinvestoren wie BlackRock sowie die Staatsfonds Saudi-Arabiens und Kuwaits zeichneten beim SpaceX-IPO je eine Tranche bis fünf Milliarden Dollar. Privatanleger hingegen handeln deutlich kleinteiliger und erhöhen den Verwaltungsaufwand.

SpaceX hat jedoch weltweit Broker und Retailbanken eingebunden, um eine 30-prozentige Privatanlegertranche zu platzieren. Der IPO war am Ende dennoch mehr als viermal überzeichnet. Für Privatanleger war die Zuteilung trotzdem kleiner als erhofft. Nach ersten Erfahrungsberichten haben zwar viele Privatanleger Aktien zeichnen können, doch berichtet eine Mehrheit von Zuteilungsquoten zwischen zehn und 30 Prozent des gezeichneten Volumens. Wer zehn Aktien zeichnete, bekam so oft nur zwei zugeteilt. In dieser Größenordnung schmilzen auch die erzielten Zeichnungsgewinne durch anteilig hohe Ordergebühren schnell auf ein Minimum zusammen.

SpaceX-IPO: Für Privatanleger mehr als üblich, weniger als geordert

Dabei gibt es Beispiele von anderen Börsengängen, bei denen Privatanleger bei der Zeichnung bis zu einer bestimmten Aktienanzahl – beispielsweise 50 oder 100 – immer eine volle Zuteilung erhielten, nur darüberhinausgehende Orders fallen unter die Zuteilungsquote. Nach dieser Methode hätten zwar insgesamt weniger Privatanleger eine Zuteilung bekommen, dafür wären nicht alle von den geringen Zuteilungsquoten enttäuscht.

Ein weiterer Wermutstropfen für die Retail-Investoren ist ihr geringer Einfluss auf SpaceX auf Hauptversammlungen. Sie können praktisch keinen Einfluss auf SpaceX nehmen, da Gründer und CEO Elon Musk dank seiner mit Mehrfachstimmrecht ausgestatteten Aktien und einem Aktienanteil von 82 Prozent weiterhin die alleinige Kontrolle über das Unternehmen ausüben kann. Aktionäre können so keinen Druck im eigenen Interesse aufbauen.

Drei Motive erklären die Entscheidung für einen hohen Retailanteil. Erstens die Marke: SpaceX hat eine globale Fangemeinde, wie sie an der Börse selten ist. Visionär Musk fasziniert, es gibt wenig ernstzunehmende Konkurrenz im Raumfahrtsektor und das Satellitennetzwerk Starlink hat eine Monopolstellung. Das führt dazu, dass Privatanleger, die trotz der anhaltenden Milliardenverluste von SpaceX Aktien gezeichnet haben, seltener als üblich ihre Anteile schon in der ersten Handelswoche wieder verkaufen. Zweitens das Narrativ: Ein für alle zugänglicher Börsengang passt zum Selbstbild von SpaceX als Unternehmen im Dienst der Menschheit. Drittens das Signal: Eine breite Aktionärsbasis demonstriert langfristiges Vertrauen in das Unternehmen.

Für wen war der SpaceX-IPO ein Erfolg?

20 Prozent Kursplus am Tag des Börsendebüt gelten bei Börsenprofis als perfektes Ergebnis. Private und institutionelle Investoren liegen schon am ersten Handelstag mit ihren Investments deutlich im Plus. Am meisten profitiert natürlich Elon Musk, dessen hoher Aktienanteil ihn zum ersten Dollar-Billionär der Welt macht. Auch die Google-Mutter Alphabet, die schon früh in SpaceX investiert hat, kann sich zu den Gewinnern zählen.

Für SpaceX als Unternehmen ist der Börsengang ebenfalls ein klarer Erfolg. Große Teile des 75-Milliarden-Dollar-Erlöses sollen in die Entwicklung des Raketenprogramms und in den Starlink-Ausbau fließen. Zudem hat sich SpaceX durch den Zugang zum Kapitalmarkt eine große, kostengünstige Finanzierungsquelle für die Zukunft erschlossen.

Lediglich die sehr hohe Bewertung könnte sich als Bürde erweisen. SpaceX verbuchte zuletzt einen Nettoverlust von knapp fünf Milliarden Dollar bei rund 19 Milliarden Dollar Umsatz. Die Bewertung von mehr als zwei Billionen Dollar am Ende des ersten Handelstags basiert damit fast vollständig auf Erwartungen an überdurchschnittliche Gewinne in ferner Zukunft. Einige Analysten sprechen daher offen von einer Überbewertung. Nun muss SpaceX diese hohen Erwartungen erfüllen und beweisen, dass es seine Zukunftsversprechen auch halten kann. Die Pläne sind allerdings sehr ehrgeizig, es kann leicht zu Enttäuschungen kommen.

Wegbereiter für weitere KI-Börsengänge

Dass der SpaceX-IPO so erfolgreich war, dürfte die Hoffnungen auf Maximalbewertungen weiterer Börsenkandidaten anheizen. Die beiden KI-Riesen OpenAI und Anthropic, die beide bereits ihren Börsengang beantragt haben, könnten nun ihre Pläne beschleunigen, um auf der Erfolgswelle von SpaceX zu reiten. Ob der Markt dann noch aufnahmefähig genug ist, um weitere Billionenbewertungen zu rechtfertigen, muss sich aber erst zeigen.

Der SpaceX-IPO hält somit einige Grunderkenntnisse zur Emissionspraxis parat: Privatanleger können strukturell relevanter sein als bisher angenommen. Eine starke Marke ist im Primärmarkt monetarisierbar. Und ein hoher Retailanteil muss keine Destabilisierungsgefahr darstellen. Nachahmer dürften es dennoch schwer haben. Nicht jedes Unternehmen verfügt über Elon Musks einzigartige Mischung aus Markenidentität, visionärer Technologie und Fangemeinde. SpaceX hat für alle kommenden Börsengänge die Messlatte deutlich höher gelegt.

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Holger Clemens Hinz
Leiter Kapitalmarktgeschäft

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