Payment-Dienstleister drängen in das Kerngeschäft traditioneller Banken vor. Sie bieten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zunehmend integrierte Finanzdienstleistungen an – von Echtzeit-Umsatzanalysen bis hin zu Krediten innerhalb von ein bis zwei Tagen.
Der Trend trägt den Namen Embedded Finance und bezeichnet die Integration von Finanzdienstleistungen in Plattformen von Nicht-Finanzunternehmen. Was mit dem Kartenlesegerät beginnt, endet bei datengetriebenen Kreditentscheidungen. Über tagesaktuelle Umsatzdaten bewerten Fintechs die Bonität ihrer Kunden deutlich schneller als Banken, die sich traditionell auf Jahresabschlüsse und standardisierte Prozesse stützen. Das Ergebnis: Kredite bis zu 250.000 Euro ohne klassischen Zinssatz, dafür mit einer einmaligen Festgebühr und automatisierter Rückzahlung als prozentualer Anteil am Tagesumsatz.
Davon profitieren vor allem Handwerksbetriebe, Landwirte und kleinere Mittelständler, deren Stärke nicht in der Finanzverwaltung liegt. Wie das Handelsblatt berichtet, warnen Experten jedoch vor einem Lock-in-Risiko: Wer einmal tief in das Ökosystem eines Payment-Anbieters eingebunden ist, verliert faktisch die Flexibilität für einen Anbieterwechsel. Die Entwicklung verweist zugleich auf eine strukturelle Lücke im Bankensystem: Wo Banken jungen und kleinen Firmen kurzfristige Liquidität verweigern, öffnet sich Raum für den Kapitalmarkt und alternative Anbieter. Eine Dynamik, die für Mittelständler Chancen und Abhängigkeitsrisiken zugleich bereithält.
