Die Unternehmensnachfolge zählt zu den größten Aufgaben für KMUs. Eine Rechtsform erlebt dabei neue Aufmerksamkeit: die Genossenschaft. Ihr struktureller Vorteil liegt auf der Hand – ein klassisches Nachfolgeproblem gibt es faktisch nicht. Eigentum und Verantwortung sind gemeinschaftlich organisiert, Vorstände werden gewählt, Anteile bleiben im Unternehmen. Externe Investoren sind nicht vorgesehen.
Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt die Planergemeinschaft Kohlbrenner eG in Berlin. Als der Inhaber vor mehr als 15 Jahren einen Nachfolger suchte, übernahmen die Mitarbeitenden selbst – über eine eigens gegründete Genossenschaft. Der Kaufpreis verteilte sich auf viele Schultern; neben einer Einmalzahlung wurde eine gestaffelte Gewinnbeteiligung vereinbart. Heute arbeiten dort 30 Fachkräfte, 27 sind Genossenschaftsmitglieder. Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Zahl der Anteile. Strategische Fragen verantwortet ein gewählter Vorstand, Grundsätzliches entscheidet die Generalversammlung.
Historisch geht die Idee auf Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch zurück. Ursprünglich als Selbsthilfeinstrument gegen Kreditwucher gedacht, steht die Genossenschaft bis heute für Selbstverantwortung und Mitbestimmung. Seit 2016 zählt die Genossenschaftsidee sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Auch andere Beispiele zeigen die Bandbreite des Modells. Die Instrumentenmanufaktur Miraphone ist seit 1946 als Genossenschaft organisiert und zählt heute 90 Mitarbeitende, darunter 55 Genossen. Die Rechtsform schützt vor externer Einflussnahme und erleichtert die langfristige Finanzierung. Große Genossenschaften wie Datev, Edeka, Rewe oder Noweda zeigen zudem, dass das Modell keineswegs eine Nischenlösung ist. Für den Mittelstand verbindet die Rechtsform wirtschaftliche Stabilität mit unternehmerischer Unabhängigkeit, wie Markt und Mittelstand berichtet. Mitarbeiter sind zugleich Angestellte und Miteigentümer, Gewinne werden anteilig ausgeschüttet, strategische Kontrolle bleibt intern. Gerade in Zeiten offener Nachfolgefragen kann das Modell eine strukturierte, langfristig angelegte Lösung bieten.
