Deutschlands innovativste Mittelständler setzen auf starke digitale Strategien bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Die Corona-Pandemie hat digitale Prozesse noch weiter beschleunigt. Von der Krise angeschlagene KMU sollten die Zeit daher nutzen, ihren Betrieb fit für die digitale Zukunft zu machen.
Philipp Rose
Die Corona-Pandemie verändert nachhaltig, wie wir arbeiten. Konzepte wie Präsenzarbeit sind überholt. Gefragt sind stattdessen Home-Office, flexible Arbeitszeiten, mehr Eigenverantwortung und flachere Hierarchien. Vieles davon wird sich auch nach der Pandemie durchsetzen. KMU sollten sich daher jetzt schon auf die Zukunft der neuen Arbeitswelt vorbereiten.
Die Wirtschaft in Deutschland geht in den nächsten Lockdown. Zwar sagt die Bundesregierung weitere finanzielle Hilfen für angeschlagene Unternehmen zu. Doch in der Vergangenheit kam die dringend benötigte Hilfe wegen bürokratischer Hürden bei den Unternehmen oft viel zu spät an. Besserung gibt es jedoch an anderer Stelle: KMU können sich mit Anleihen jetzt einfacher am Kapitalmarkt finanzieren.
Die Automobilindustrie ist das Markenzeichen der deutschen Wirtschaft – noch. Denn der Mobilitätssektor befindet sich im größten Umbruch seiner Geschichte. Digitalisierung, autonomes Fahren und Elektromotor sind die neuen Schlüsselwörter. KMU sind maßgeblich an der Wertschöpfung im Mobilitätsbereich beteiligt und müssen jetzt umdenken, um nicht den Anschluss zu verpassen.
Insbesondere im Zusammenhang mit den als „Industrie 4.0“ bezeichneten disruptiven Veränderungen, die durch die Digitalisierung vor allem in Industrie und produzierendem Gewerbe hervorgerufen werden, wird häufig von der 4. industriellen Revolution gesprochen. Obwohl dieser Begriff die Stärke der zu erwartenden Veränderungen unterstreichen soll, wird er diesen bei genauerer Betrachtung aber kaum gerecht. Zutreffender wäre es vielmehr, von der 4. und 5. Industriellen Revolution gleichzeitig zu sprechen, um den sich abzeichnenden Veränderungen gerecht zu werden.
Von Michael Müller
Immer mehr Mittelständler steigen auf digitale Prozesse um. Doch der Aufbau einer eigenen IT-Infrastruktur kostet viel Geld und braucht technisches Know-how. Cloud-Systeme bieten KMU einen guten Kompromiss: Leistungen werden nach Bedarf gebucht, Wartung und Problembehebung übernimmt der Anbieter. Gleichzeitig macht die Cloud den Mittelstand krisenresistenter.
Wer ein Smartphone nutzt, nimmt in der Regel auch Cloud-Leistungen in Anspruch. Sei es für das Speichern und Teilen von Fotos und Videos oder zur Sicherung wichtiger Dokumente. Offenbar entdecken auch immer mehr KMU die Vorteile der digitalen Wolke für sich. Laut einer Studie nutzen bereits vier von fünf der befragten Unternehmen Cloud-Leistungen. Auch wenn immer mehr Mittelständler auf digitale Prozesse umschalten, steht die Digitalisierung bei vielen kleineren Unternehmen nicht weit oben auf der Agenda. Grund dafür sind vergleichsweise hohe Anschaffungskosten, mangelndes IT-Wissen und Angst vor Datendiebstahl. Die Cloud schafft einige dieser Probleme aus dem Weg und ist für KMU daher eine lohnenswerte Option.
Junge aufstrebende Unternehmen brauchen Kapital, Mittelständler brauchen Fachkräfte und digitales Knowhow. Zudem können junge Unternehmen vom Mittelstand lernen, wie langfristiges und nachhaltiges Wachstum generiert werden kann. Die Kooperation von Startups und KMU kann durchaus eine Win-win-Situation sein.
Apple, Tesla, Amazon und Google haben eins gemeinsam: Vor ihrem großen Durchbruch haben alle als Startup angefangen. Startups sind die Raketen der Wirtschaftswelt: Nicht jede Rakete zündet, aber wenn sie es tut, geht es oft schnell und hoch hinaus. Denn zu Beginn eines Startups steht häufig eine innovative und bahnbrechende Idee, die das Zeug dazu hat, Bestehendes auf den Kopf zu stellen. Deutsche Mittelständler erkennen dies zunehmend und gehen Kooperation ein – das Potenzial erkennend. Nicht selten läuft diese Liaison auf eine gemeinsame Produktentwicklung oder eine finanzielle Beteiligung an dem Startup hinaus. Laut einer Umfrage ist die Zusammenarbeit der Branchen auf einem neuen Höchststand: 9 von 10 Startups geben an, aktuell mit Mittelständlern und Konzernen zu kooperieren. Dabei steht meist die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, aber auch der Wissenstransfer von digitalen Technologien im Mittelpunkt.
Im vergangenen Jahr wurde mit gerade mal vier Neuemissionen ein Tiefpunkt an der Frankfurter Börse erreicht. Dieses Jahr sollte alles anders werden. Und tatsächlich: Trotz Corona-Pandemie wagen wieder deutlich mehr Unternehmen ein IPO. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend auch im nächsten Jahr fortsetzt.
2019 war einer der Tiefpunkte für Neuemissionen an der Frankfurter Börse: Lediglich vier Unternehmen sind an die Börse gegangen und erzielten dabei einen Gesamterlös von 3,5 Milliarden Euro. Dieses Jahr sollte es endlich wieder aufwärts gehen – doch dann kam Corona. Als IPO-Überflieger wird daher auch das Jahr 2020 nicht in die Geschichte eingehen, dafür steht der Markt derzeit noch zu sehr unter Spannung. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich trotz Krise immer mehr Unternehmen mit einem Initial Public Offering (IPO) auf das Parkett in Frankfurt trauen. Sechs Börsengänge sind in Frankfurt 2020 bisher über die Bühne gegangen. Und: Noch ist das Jahr nicht zu Ende; das eine oder andere Unternehmen könnte also durchaus noch mit einem IPO überraschen.
